Fred Hellmann ist seit 2014 Schöffe – Bewerbungen wieder möglich Im Namen des Volkes

Hiddenhausen (WB). Die Rechtsprechung hat ihn schon immer interessiert. Beruflich hat es Fred Hellmann zwar in die Verwaltung verschlagen, nebenbei allerdings beschäftigt er sich mit Recht und Gesetz – der 55-Jährige ist Schöffe. Aktuell sucht die Gemeinde Hiddenhausen wieder neue Schöffen.

Von Karin Koteras-Pietsch

»Ich hatte das Fach Recht schon in meiner Ausbildung und das Interesse ist geblieben«, erzählt der Verwaltungsfachwirt; er ist Datenverarbeitungskoordinator bei der Gemeinde Hiddenhausen. Schon in den 90er Jahren war Hellmann Schöffe am Landgericht Bielefeld. Vor gut vier Jahren wurde er erneut benannt, diesmal beim Amtsgericht Herford. »Eine spannende Aufgabe«, sagt der Hiddenhauser. Jeweils am Anfang eines Jahres bekommt er eine Liste mit den Terminen, an denen er als Schöffe im Einsatz ist. Mehr nicht. »Worum es geht, erfahre ich erst im Richterzimmer. Das ist wichtig, immerhin sollen wir Schöffen völlig unvoreingenommen in die Verhandlung gehen«, erzählt er. »Hier dürfen wir auch Fragen stellen. Am Ende wird im Richterzimmer beraten. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung müssen dabei gleichermaßen Beachtung finden. Schlussendlich haben wir das gleiche Stimmrecht wie die Richter«, berichtet Hellmann. Wundern würde ihn manchmal schon, wie sehr bei Gericht »gedealt« werde. Absprachen zwischen Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung seien keine Seltenheit.

Schöffen und Richter haben gleiches Stimmrecht

In den meisten Fällen seien Schöffen und Richter sich einig. Bei dem einen oder anderen Urteil, so erinnert sich der 55-Jährige, habe er aber schon ein bisschen Bauchschmerzen gehabt. So zum Beispiel bei einer Verhandlung gegen zwei junge Männer, die wegen des Ausbruchs aus der JVA vor Gericht erscheinen mussten. »Das waren keine Schwerverbrecher, sondern eigentlich nur zwei ›bessere Eierdiebe‹. Sie hätten gar nicht bestraft werden dürfen. Ihnen war der Ausbruch so leicht gemacht worden. Sie waren für einen kurze Zeit allein in der Schlosserei, konnten sich Werkzeug mitnehmen, damit ein Fenster ausbauen, dann über die Gefängnismauer klettern, weil dort die Kamera ausgefallen war.« Hellmann meint, dass in einem solchen Fall wohl eher die Missstände hätten im Vordergrund stehen müssen. Dieser Fall sei mehr etwas zum Schmunzeln gewesen. In der Regel aber sei die Aufgabe nicht ganz einfach. Vor allem dann, wenn es um Gewaltverbrechen gehe.

Fred Hellmann gefällt die Aufgabe des Schöffen so gut, dass er sich auch für die nächste Amtsperiode vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2023 wieder bewerben möchte. Wer sich für das Amt des Schöffen interessiert, kann seine Bewerbung bei der Gemeinde Hiddenhausen einreichen. Voraussetzung ist, dass die Bewerber die deutsche Staatsangehörigkeit haben, mindestens 25 und höchsten 69 Jahre alt sind, ihren Wohnsitz in Hiddenhausen haben und nicht vorbestraft sind. Eine juristische Ausbildung ist nicht erforderlich. Bewerbungen nimmt bis zum 15. April Ann-Kathrin Nedderhoff bei der Gemeinde Hiddenhausen im Amt für Ordnung, Telfon 05221/964225, entgegen.

www.justiz.nrw.dewww.schoeffen-nrw.de

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