Gemeinde fördert Immobilien-Kauf – 477 Anträge in zehn Jahren bewilligt Junge Familie in altem Haus

Hiddenhausen (WB). Der Traum vom Eigenheim scheitert für junge Menschen nicht selten an der Finanzierung. Genau hier greift das Programm »Jung kauft Alt« der Gemeinde Hiddenhausen (siehe Kasten). Familie Elmers kann das nur bestätigen. Mit Hilfe dieses Programms haben sie sich ihren Traum vom eigenen Haus erfüllt.

Von Karin Koteras-Pietsch
Lena und Marco Elmers mit Söhnchen Moritz sind total glücklich, in Sundern dieses alte Haus gefunden zu haben. Mit Hilfe der Förderung aus dem Programm »Jung kauft Alt« konnten sie sich den Traum vom Eigenheim erfüllen.
Lena und Marco Elmers mit Söhnchen Moritz sind total glücklich, in Sundern dieses alte Haus gefunden zu haben. Mit Hilfe der Förderung aus dem Programm »Jung kauft Alt« konnten sie sich den Traum vom Eigenheim erfüllen. Foto: Karin Koteras-Pietsch

Marco Elmers (27) ist ein echter Hiddenhauser, seine Frau Lena (30) ist in Herford groß geworden. Beide hätten sich auch mit Herford als Wohnort anfreunden können. Dass es nun Hiddenhausen geworden ist, freut sie noch mehr. In Sundern hat das Paar mit Söhnchen Moritz (9 Monate) sein Traumhaus gefunden: Einfamilienhaus, roter Klinker, 188 Quadratmeter Wohnfläche auf eineinhalb Geschossen, Kellergeschoss, 864 Quadratmeter Grundstück und ein »Traumgarten«, wie Lena Elmers schwärmt.

Fenster mussten ausgetauscht werden

Das 1977 erbaute Haus stand ein Jahr leer, als Elmers’ es eher durch Zufall entdeckten. »Wir habe es besichtigt und ich hatte es schon am gleichen Abend in Gedanken eingerichtet«, erinnert sich die Krankenschwester. Doch der Bau hatte natürlich seinen Preis: 230.000 Euro. »Da kam uns die Förderung der Gemeinde schon ganz recht. Ohne die hätten wir einige Arbeiten, die an diesem Haus fällig waren, nicht machen können«, erzählt Marco Elmers. Einige Fenster mussten ausgetauscht werden. Das Haus habe ganz neue Bodenbeläge bekommen, außerdem seien alle Holzdecken und Wände gestrichen worden. Dann hätten sie einziehen können. Der Notfallsanitäter strahlt, wenn er sich in seinem neuen Zuhause umsieht: »Es ist traumhaft hier. Wir haben so viel Platz. Das ist super, vor allem mit Kind. Und dann die Umgebung. Alles da. Einkaufsmöglichkeiten, Kita, Grundschule und nette Nachbarn.« »Und wenn wir im Garten sitzen, ist das wie Urlaub«, ergänzt Ehefrau Lena. Im Frühjahr würden sie anfangen, diesen auf Vordermann zu bringen. Ein Neubau, so sagt sie, wäre für sie nicht in Frage gekommen. »So ein altes Haus hat doch so viel Charme. Und dann das große Grundstück. Das ist bei einem Neubau doch nicht bezahlbar.«

Erfolgreiches Programm

Der Erfolg des kommunalen Förderprogramms »Jung kauft Alt – Junge Menschen kaufen alte Häuser« wird laut Gemeinde auch dadurch belegt, dass die Einschränkung der Ausweisung von Neubaugebieten auf die Größe eines Fußballfeldes (0,94 Hektar) seit Bestehen des Förderprogramms in 2007 bis heute nicht zu einer negativen Wanderungsbilanz geführt habe. Während in 2007 die Wegzüge die Zuzüge um 200 Menschen überstiegen haben, fällt in den Jahren 2010 bis 2014 die Bilanz positiv aus (mehr Zuzüge als Wegzüge). Auch die Anzahl der drei- bis fünfjährigen Kinder ist von 426 in 2007 auf 473 in 2017 gestiegen.

»Mit dem Förderprogramm werden die immer knapper werdenden Freiflächenressourcen nachhaltig geschont, gewachsene Quartiere wieder mit jungem Leben gefüllt. Die Auslastung der vorhandenen Infrastruktur wird verbessert, Kindergärten und Schulen werden gestärkt«, führt Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer an. So würden sich für die Gemeinde, für die Verkäufer von Gebrauchtimmobilien durch den Werterhalt ihrer Häuser und für die Käufer durch die finanzielle Unterstützung und die gewachsene Struktur positive Effekte ergeben.

Immobilie muss 25 Jahre alt sein

Voraussetzung für den Antrag auf Fördermittel ist, dass das Gebäude mindestens 25 Jahre alt ist. Die Gemeinde gewährt jungen Familien Zuschüsse in Höhe von 600 Euro jährlich, hinzu kommen 300 Euro jährlich pro Kind bis zum 18. Lebensjahr. Die höchste Förderung sind 1500 Euro pro Jahr, so dass sich insgesamt ein Zuschuss-Betrag von 9000 Euro ergibt. Für Altbaugutachten gibt es einmalig 600 Euro plus 30 Euro pro Kind, auch hier ist der Höchstbetrag 1500 Euro.

In Hiddenhausen gab es bis heute 477 Förderungen. Die Zahl der Anträge ist von 11 im ersten Jahr auf 46 in 2017 gestiegen. Neben den 477 Altbauten wurden seit Start des Projektes in 2007 48 Altbaugutachten durch die Gemeinde gefördert. In den Förder-haushalten leben insgesamt 544 Kinder, das bedeutet, in jedem geförderten Altbau wohnt statistisch betrachtet ein Kind.

Erfreulich für die Gemeinde Hiddenhausen, so Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer, sei die Geburt von 99 Babys in den geförderten Haushalten innerhalb des Förderzeitraumes. In 56 Prozent der Förder-Haushalte leben Kinder, davon sind 46 Prozent im Kindergartenalter und 25 Prozent im Grundschulalter. 60 Prozent der geförderten Haushalte sind in die Gemeinde Hiddenhausen zugezogen.

Nähere Informationen zu dem Förderprogramm »Jung kauft Alt« gibt es bei Simone Schürstedt in der Gemeinde Hiddenhausen, Telefon 05221/964256.

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