Förderunterricht an der Grundschule Sundern ist fest etabliert Flüchtlingskinderfühlen sich wohl

Hiddenhausen (WB). »Anfangs gab es Ängste. ›Wie können wir das schaffen?‹ haben wir uns gefragt,« erinnert sich Manuela Uphoff. Heute liegen fast drei Jahre Integrationsarbeit mit Flüchtlingskindern hinter der Leiterin und dem Kollegium der Grundschule Sundern. Heute ist man hier völlig entspannt.

Von Karin Koteras-Pietsch
Schulleiterin Manuela Uphoff (hinten rechts) sowie die beiden Lehrerinnen Angelika Ostermann (vorne rechts) und Annette Hülsmann (hinten links) freuen sich, dass die Flüchtlingskinder so schnell lernen und sich in Sundern wohlfühlen.
Schulleiterin Manuela Uphoff (hinten rechts) sowie die beiden Lehrerinnen Angelika Ostermann (vorne rechts) und Annette Hülsmann (hinten links) freuen sich, dass die Flüchtlingskinder so schnell lernen und sich in Sundern wohlfühlen. Foto: Koteras-Pietsch

Manuela Uphoff und Angelika Ostermann, Lehrerin und DaZ-Beauftragte (Deutsch als Zweitsprache), können sich noch genau an die Zeit erinnern, als die ersten Flüchtlingskinder kamen. »Ganz in der Nähe der Schule war eine Unterkunft für Flüchtlinge. Da kamen die Kinder natürlich zu uns«, erzählt Uphoff. Seit 2014 ist die Integration von Flüchtlingskindern ein Thema an der Grundschule Sundern. Damals wurde ein Standort für die Sprachfördergruppe gesucht. Und was lag näher, als diese in Sundern einzurichten, immerhin waren die Kinder ja schon da. 2017 wurde es dann auch in Sundern eng, seither gibt es die Förderung auch in der Paul-Maar-Grundschule.

Kinder sind im Klassenverband

2014 besuchten noch sechs Flüchtlingskinder die Schule in Sundern, heute sind es 16 auf alle Klassen verteilt. Die Kinder sind im Klassenverband, aus dem Deutsch- oder Mathe-Unterricht werden sie herausgeholt und erhalten dann Sprachförderung. »Bei Sport, Musik oder Kunst sind sie in der Klasse, allein schon wegen der Integration«, erzählt Ostermann. Und das klappt gut. »Die Kinder lernen miteinander und voneinander«, ergänzt Manuela Uphoff. Bei manchen fange man allerdings ganz unten an, zum Beispiel beim Toilettengang oder im Sozialverhalten. »Manche der Kinder sind völlig verwahrlost, wenn sie hier ankommen. Wir merken ihnen an, dass sie eine lange Flucht hinter sich und Traumatisches erlebt haben«, sagt die Schulleiterin und berichtet von einem Kind, das in der Schule sein Obst unter dem Tisch gegessen hat – aus Angst, es werde ihm weggenommen. »Die Kinder hören von den Flüchtlingskindern Dinge, die sie gar nicht kennen«, weiß Angelika Ostermann.

Der Unterricht ist nicht immer einfach

2015 kam Unterstützung für den Förderunterricht. Annette Hülsmann war 47 Jahre lang Grundschullehrerin. Aber nach der Pensionierung fehlte ihr das Unterrichten. Seit mehr als zwei Jahren gibt sie in Sundern sechs Stunden Förderunterricht wöchentlich. Auch ein so genannter Bufdi kümmert sich um die Kinder. »Hauptsache, es sind Menschen für die Kinder da. Und es ist erstaunlich, wie schnell die Kinder unsere Sprache lernen«, sagt Ostermann. Denn auch der Unterricht ist nicht einfach, schließlich kommen die Kinder aus verschiedenen Ländern, darunter Libanon, Afghanistan, Iran, Irak, Bulgarien, Ungarn oder Syrien. »Schwierig wird die Situation für uns auch dann, wenn wir wissen, dass eine Familie bald abgeschoben wird«, meint Uphoff. Spannend war für sie auch die Frage, wie die Flüchtlinge damit umgehen, dass die Schule in Sundern eine evangelische Bekenntnisschule ist. »Bei uns besuchen alle den Religionsunterricht. Hier wird jedes Kind so angenommen, wie es ist. Und das ist gut so. Die Kinder spüren so weniger Angst«, erklärt die Schulleiterin. Jedes Kind komme einfach gerne.

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