Hausarzt hat bereits Nachfolger für Praxis gefunden Karl-Hermann Killmer praktiziert gerne auf dem Lande

Hiddenhausen (WB). Der Job des Hausarztes in der ländlichen Region ist vor allem wegen des Honorars für viele Mediziner unattraktiv. In Hiddenhausen scheint das anders zu sein. Hier ist die Versorgung immer noch gut (wir berichteten). Einer der nach eigenen Angaben zufriedenen Hausärzte ist Karl-Hermann Killmer.

Von Karin Koteras-Pietsch
Karl-Hermann Killmer in seinem Sprechzimmer: Für Ende 2019 plant der Hausarzt den Ausstieg aus der Praxis.
Karl-Hermann Killmer in seinem Sprechzimmer: Für Ende 2019 plant der Hausarzt den Ausstieg aus der Praxis. Foto: Koteras-Pietsch

Der Allgemeinmediziner stammt aus Bünde und führt seit 31 Jahren eine Praxis in Eilshausen. Schon sein Vater war Hausarzt und für Killmer gab es nie eine Alternative zu diesem Beruf. Und trotz aller widrigen Umstände hat er seine Entscheidung bis heute nie bereut. »Und wenn man ein bisschen rechnen kann, dann kann man von dieser Arbeit ganz gut leben«, sagt der 63-Jährige. »Man muss unter anderem die extra budgetierten Leistungen verstärkt anbieten. Das sind zum Beispiel Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen oder ein Check-Up. Diese Leistungen werden zusätzlich zum Budget honoriert.«

Positiv: Neuordnung des Notdienstes

Eine Erleichterung im Vergleich zu früher sei für die Hausärzte auf dem Land die Neuordnung des ärztlichen Notfalldienstes. Früher, so Killmer, habe man ständig Notdienst gehabt. Heute seien es nur noch wenige Tage oder Wochenenden im Monat.

Ein weiterer Aspekt für das angenehmere Arbeiten sei die Gemeinschaftspraxis. Mit Christiane Possehn führt Killmer diese seit Juli 2004. »Da teilt man sich nicht nur einiges an Kosten. Wir können uns auch gegenseitig vertreten, im Urlaubs- oder im Krankheitsfall.« Früher habe er sich häufig krank zur Arbeit geschleppt. Das sei schlimm gewesen. »Heute würde ich das nicht mehr tun. Aber in einer Einzelpraxis hat man meist keine Wahl«, schildert Killmer.

»Einzelpraxis hat keine Chance«

Eine solche, so der Mediziner weiter, habe heute auch in Hiddenhausen keine Chance mehr, einen Nachfolger zu finden. Als Beispiel nennt er einen Kollegen, der seit geraumer Zeit auf der Suche ist. Kein Bewerber in Sicht. Er biete auch noch das Modell »Wohnen und Praxis« in einem Haus an. »Früher war das gang und gäbe. Heute will das niemand mehr. Man braucht Distanz zur Arbeit, ein Privatleben.«

Killmer selbst war erfolgreich bei der Nachfolgersuche. Er hat inzwischen einen Weiterbildungsassistenten eingestellt. Jan-Ole Fischer absolviert 18 Monate seines Ausbildungsteils »Ambulante Medizin« in der Praxis Killmer/Possehn. »Ich plane Ende 2019 auszusteigen«, kündigt Killmer an. Dann werde Fischer seinen Platz einnehmen.

Gute Infrastruktur in Hiddenhausen

Den jungen Arzt habe er durch Zufall kennen gelernt. Auch er stamme aus Bünde und wolle in der Region bleiben. Immerhin, so Killmer, habe Hiddenhausen ja trotz oder gerade wegen seiner Ländlichkeit einiges zu bieten. Da sei zum Beispiel die gute Infrastruktur, die Anbindung durch die Autobahnen sowie große und kleine Krankenhäuser in der Nähe, nennt er einige Beispiele.

Trotz vieler positiver Aspekte gibt es in der Region Vakanzen. Nach aktuellen Berechnungen der Kassenärzlichen Vereinigung können sich im Mittelbereich Herford (dazu zählen Herford, Enger/Spenge und Hiddenhausen) noch 16,5 Hausärzte niederlassen, in Bünde 6,5 und in Löhne 8.

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