Team von Elektro Ellersiek ist von Praktikant Amir Ayoup aus Ägypten begeistert Erste Stelle nach der Flucht

Hiddenhausen (WB). Viel Arbeit, zu wenig Mitarbeiter: Das ist die derzeitige Situation bei der Elektrofirma Ellersiek in Hiddenhausen. Amir Ayoup aus Ägypten hatte viel Zeit, aber keine Arbeit. Inzwischen ist der Asylbewerber als Praktikant bei Ellersiek tätig. Eine klassische Win-Win-Situation.

Von Karin Koteras-Pietsch
Amir Ayoup macht derzeit ein Praktikum bei Elektro Ellersiek. Zwar darf der Flüchtling aus Ägypten alleine keine Arbeiten ausführen, seine helfenden Hände sind bei den Kollegen jedoch immer willkommen.
Amir Ayoup macht derzeit ein Praktikum bei Elektro Ellersiek. Zwar darf der Flüchtling aus Ägypten alleine keine Arbeiten ausführen, seine helfenden Hände sind bei den Kollegen jedoch immer willkommen. Foto: Karin Koteras-Pietsch

Der Markt sei leer gefegt, klagt Elektriker Patrick Knafla von der Firma Ellersiek. Fachkräfte zu finden, sei fast unmöglich. »Das geht im Moment nur noch über das Abwerben bei anderen Betrieben«, sagt der Elektriker. Da sind er und seine Kollegen heilfroh, dass sie Amir Ayoup kennen gelernt haben.

Der Ägypter ist 37 Jahre alt und vor drei Jahren nach Deutschland geflüchtet. Über Griechenland sei er hierher gekommen, ganz allein. Über die Gründe für seine Flucht möchte er nicht sprechen. Zu schlimm seien die Erinnerungen daran. »Und zurück nach Ägypten möchte ich auf keinen Fall«, sagt er.

Seit drei Jahren in Deutschland

Wie es für ihn weitergeht, ist noch offen. Nach Auskunft von Jörg Luttmann (Leiter Amt für Ordnung der Gemeinde Hiddenhausen) wartet Amir Ayoup nach wie vor auf eine Entscheidung über seinen Asylantrag. In dieser Zeit sitzt der Ägypter, der in einer kleinen Wohnung mitten in Hiddenhausen lebt, nicht untätig rum. »Er hat einen Führerschein gemacht und sich eigenständig um Sprachkurse bei der Volkshochschule bemüht«, sagt Jörg Luttmann. Das müsse man ihm hoch anrechnen. Und weil Amir Ayoup schon eine ganze Weile in Deutschland lebe, dürfe er nun auch arbeiten.

Das war die große Chance für den Ägypter, aber auch für das Unternehmen Ellersiek. »Wir haben uns beim Jobcenter gemeldet und innerhalb nur einer Stunde kam der erste Bewerber: Amir Ayoup«, erzählt Patrick Knafla. »Wir haben uns gleich gut verstanden. Und auch im Team kommt Amir gut an. Wir verstehen uns prächtig.«

Arbeitgeber freut sich über helfende Hände

Der Ägypter hat in seiner Heimat elf Jahre die Schule besucht und dort auch einiges über das Elektrohandwerk gelernt. »Das bedeutet nicht, dass er Elektriker ist. Aber das macht nichts. Auch wenn er kein Elektriker ist, jede dritte und vierte Hand hilft uns. Seine Unterstützung bedeutet für uns echte Arbeitserleichterung. Was er leistet, ist fantastisch«, ist Patrick Knafla begeistert von seinem Praktikanten.

Ein Auftrag des Unternehmens Ellersiek ist derzeit die Sanierung des Rathauses in Hiddenhausen. Da sei jede Menge zu tun. »Wir haben auch über Leiharbeiter nachgedacht«, sagt Knafla, die seien aber zu teuer. Und nun hilft Amir Ayoup. Wo immer etwas zu tun sei, packe er mit an. Eigenständig dürfe er noch nichts machen. Und seine Arbeit müsse kontrolliert werden. Aber: er helfe. »Amir ist so engagiert, da kommt kaum ein Leiharbeiter mit«, freut sich der Elektriker.

Früh morgens um 7 Uhr sei er gleichzeitig mit allen Mitarbeitern zur Stelle. Man mache gemeinsam Pause und Ayoup fühle sich sichtlich wohl im Mitarbeiterkreis. Einzig mit der Unterhaltung sei es noch etwas schwierig, denn mit der deutschen Sprache hat Amir Ayoup noch immer so seine Schwierigkeiten.

Aber dennoch, Amir Ayoup ist froh, dass er einen Job hat. Nach wie vor ist er Praktikant, aber Patrick Knafla hofft, dass er künftig als Helfer bei Ellersiek arbeiten kann. Vielleicht möchte Ayoup später auch eine Ausbildung zum Elektriker machen. Knafla ist so zufrieden mit dem Ägypter, dass »ich jedem Arbeitgeber nur empfehlen kann, einem Flüchtling eine Chance zu geben«.

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