Jugendhilfe Schweicheln sucht Familien, die Kinder aufnehmen Zuhause auf Zeit für junge Flüchtlinge

Hiddenhausen (WB).  Nicht nur erwachsene Flüchtlinge sind es, die derzeit Hilfe benötigen. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen einen Ort, an dem sie sich geborgen fühlen. Die Evangelische Jugendhilfe Schweicheln sucht nach Familien, die für einige Zeit bereit sind, jemanden aufzunehmen.

Von Sophie Hoffmeier
Praise zeigt auf sein Heimatland Nigeria.  Brigitte und Philipp Tenta haben den Jungen ehrenamtlich aufgenommen. Dr. Wolfgang Willig (links) sucht weitere Familien.
Praise zeigt auf sein Heimatland Nigeria. Brigitte und Philipp Tenta haben den Jungen ehrenamtlich aufgenommen. Dr. Wolfgang Willig (links) sucht weitere Familien. Foto: Sophie Hoffmeier

Clearing-Gruppen nennen sich die Erstaufnahmeeinrichtungen, bei denen Flüchtlingskinder aufgenommen und betreut werden. Rechtliche und soziale Inhalte, wie ihr Aufenthaltsstatus und ihre Identität müssen hier geklärt werden, denn oft haben die Kinder keine Papiere bei sich. Auch eine Schule und erste Sprachkurse werden vermittelt. Doch wie geht es weiter? An dieser Stelle will die Evangelische Jugendhilfe Schweicheln ansetzen. Sie sucht Familien, die ein Kind bei sich aufnehmen. »In 90 Prozent der Fälle sind es Jugendliche im Alter von 16 oder 17 Jahren. Sie kommen oft aus Syrien oder dem Kosovo«, berichtet Claudia Dröll von der Jugendhilfe.

Der Zeitraum ist nicht  festgelegt. Mit »Familie auf Zeit« oder den »Westfälischen Pflegefamilien« gibt es zwei Programme, die in Frage kommen. Aber auch Zwischenstufen seien möglich, erklärt Dr. Wolfgang Willich, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit: »So etwas kann sich entwickeln und sich in etwas Längerfristiges umwandeln. Wir betrachten jeden Fall individuell. Beide Seiten müssen mit der Lösung klarkommen.« Das Wichtigste sei, dass dem Kind ein eigenes Zimmer zur Verfügung stünde und  dass Familie und Kind harmonieren. Die Familien werden  pädagogisch begleitet. Woher kommen die Kinder? Wie sind sie aufgewachsen? Welcher kulturelle Hintergrund liegt vor? Das  sind nur einige der Fragen, die aufkommen.

Von dem Konzept überzeugt sind Komponist Philipp Tenta und seine Frau Brigitte aus Bünde. Seit zwölf  Jahren haben sie immer wieder Pflegekinder bei sich. Sie betreuen derzeit den zwölfjährigen Praise ehrenamtlich und wollen bald ein oder zwei Flüchtlingskinder langfristig  aufnehmen. »Ich denke, viele haben zunächst  Hemmungen, ein Kind aufzunehmen«, sagt Brigitte Tenta.

Praise ist mit seinen Schwestern und seiner Mutter vor fünf Monaten aus Nigeria gekommen. Brigitte und Philipp Tenta erledigen mit der Familie beispielsweise Behördengänge.  Interessierte können sich unter  05221/960281 bei Dr. Wolfgang Willich melden.

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