Wirbel um Martin Kalis: Äußerungen auf Facebook sorgen für kontroverse Diskussion »Ich schlage erst zu, dann frage ich«

Hiddenhausen (WB). Mit dieser Äußerung sorgt Martin Kalis derzeit für einigen Wirbel und für Diskussionen im Internet: »Ich schlage erst zu, dann frage ich!« Der FDP-Politiker erntet auf einer Facebook-Seite, die vor allem von Hiddenhausern genutzt wird, Kritik, aber auch Lob.

Von Curd Paetzke
Mit diesem Eintrag auf der Facebookseite »Du lebst schon lange in Hiddenhausen, weil...« hat der Hiddenhauser FDP-Ratsherr Martin Kalis eine kontroverse Diskussion ausgelöst.
Mit diesem Eintrag auf der Facebookseite »Du lebst schon lange in Hiddenhausen, weil...« hat der Hiddenhauser FDP-Ratsherr Martin Kalis eine kontroverse Diskussion ausgelöst.

Was ist passiert? Martin Kalis (40) hat am Freitag festgestellt, dass man ihm sein Fahrrad aus einem Schuppen an der Löhner Straße gestohlen hat. Der Ratsherr: »Ich habe den Diebstahl bei der Polizei angezeigt – und meinen Ärger über die dreiste Tat später auf der Facebook-Seite ›Du lebst schon lange in Hiddenhausen, weil...‹ im Internet anderen Menschen mitgeteilt, weil ich stinksauer war.«

Martin Kalis, der auf die zunehmende Zahl der Einbrüche in der Großgemeinde Hiddenhausen hinweist, schrieb: »Egal, wann ich wen mal auf meinem Grundstück packe, ich schlage erst zu und frage dann, was er da macht!« Der Diplom-Kaufmann gegenüber dieser Zeitung: »Ich möchte betonen, dass diese Äußerung völlig unpolitisch gemeint war und es sich hierbei natürlich keineswegs um einen Aufruf zur Gewalt gehandelt hat.« Er habe nur gesagt beziehungsweise geschrieben, was er denke, fügt Kalis an – nicht zuletzt auch aus Sorge um seine Mutter (77), die mit im Haus wohnt.

Auf der Seite »Du lebst schon lange in Hiddenhausen, weil...« sieht sich Martin Kalis seit der Veröffentlichung nun mit einer Fülle an Anfeindungen konfrontiert. Tenor: Es sei unverantwortlich von einem Ratsmitglied, öffentlich mit Gewalt zu drohen. In anderen Beiträgen ist gar von einem Aufruf zur Selbstjustiz die Rede. Das lässt Martin Kalis so nicht im Raum stehen: »Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein friedfertiger Mensch bin. Was da jetzt größtenteils im Internet über mich verbreitet wird, ist eine glatte Unterstellung.«

Entsprechend hat der Liberale bereits im weltweiten Netz geantwortet: »Ich kann mit Kritik gut umgehen. Nach über zehn Jahren ehrenamtlicher Kommunalpolitik bekommt man auch mal Kritik ab. Meine Meinung bleibt meine Meinung. Man braucht mich dafür nicht zu wählen – und erst recht nicht mögen.« Kalis, der auch im Rat dafür bekannt ist, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, schreibt zudem: »Und übrigens: Meine Familie und mein Eigentum zu schützen, hat mal so gar nichts mit Rechts, Links oder Mitte zu tun, sondern mit meinen Bürgerrechten.«

Es gibt Hiddenhauser, die die Auffassung von Martin Kalis teilen – nicht zuletzt, weil sie, wie aus den Beiträgen hervorgeht, selbst schon bestohlen worden sind. Ein Leser argumentiert: »Ich glaube, so denken fast alle, aber die meisten trauen es nicht zu sagen, weil sie Angst haben, in eine Schublade gesteckt zu werden.«

Eine Leserin schreibt, an die Adresse von Martin Kalis gerichtet: »Lass dich hier nicht ärgern. Irgendwann sind diese Symphatisanten der Kriminellen selbst dran... Übrigens, dein Beitrag hat aber auch gar nichts mit deinem politischen Amt zu tun – hier geht es um ansteigenden, gehäuften Diebstahl in Hiddenhausen.«

Kommentar

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus: Dass an diesem Sprichwort etwas dran ist, hat Martin Kalis jetzt zu spüren bekommen. Denn: Wer Stammtisch-Parolen im Internet verbreitet, darf sich nicht über das Echo wundern. Dabei ist das, was Kalis gesagt hat, ja nachvollziehbar. Wer bestohlen worden ist, der hegt nun mal Gedanken wie »Wenn ich den erwische, dann...«

Den Unterschied macht aus, ob man das für sich im stillen Kämmerlein sagt oder die Botschaft gleich quasi weltweit raushaut. Den Unterschied macht auch aus, ob man ein politisches Amt bekleidet oder nicht. Politiker müssen ihre Worte sorgsamer abwägen als andere. Neu ist das nicht. Aber das Internet sorgt hier für neue Dimensionen...

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Viel zuviel Gewalt heutzutage

Gewalt ist wohl niemals eine Lösung. Passt hier nicht ganz, aber ich ärgere mich immer wieder über Eltern, die ihren eigenen Kindern Gewalt beibringen, indem sie selbst welche ausüben. Zärtlichkeit macht schlau.
Auch die Anwandlungen meines Jungen lassen mich manchmal fast verzweifeln:
Ungerecht? - Ja, so empfindet er wohl so vieles. Und so streichel ich dem enttäuschten Jungen mit den grünblauen Augen zärtlich über den Kopf, und sage ihm, ich bin mir sicher, er könnte, wenn er mag, alles nachholen, wenn er groß ist. Aber vielleicht hat er bis dahin schon ganz andere Sachen im Kopf. Unglaublich, was für Gedanken sich der Junge in seinem Alter schon macht. Nachdem er nun bei einem Kumpel einen Kriminalfilm angeschaut hat, in dem ein Kind ermordet wurde, macht er sich nun auch noch Sorgen, dass ihm das auch passieren könnte. Ich wünschte, ich könnte ihn von dieser Sorge heilen. Aber sie scheint sich irgendwie festgesetzt zu haben. Ärgere mich, dass es solche Filme gibt, und dies den Jungen so verwirrt hat.

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