»Trio Infernale« knüpft mit Weihnachtskonzert im Haus des Bürgers an Zeiten im Spenger Irrlicht an Alles so wie früher

Hiddenhausen (WB). »Wie früher im ›Irrlicht‹« hat das »Trio Infernale« sein Weihnachtskonzert im Haus des Bürgers betitelt. »Es wird nie wieder so wie früher« heißt es in einem der prominentesten Trio-Stücke, das bei keinem Weihnachtskonzert fehlen darf. Was passt denn nun? Der Versuch eines Essays.

Von Thomas Meyer
Großes Weihnachtskonzert im Haus des Bürgers: Das »Trio Infernale« mit Sebastian Dold, Jenne Gläsker und Jens Kosmiky (von links) wird zum Konzertfinale begleitet von Yvi Wylde (ganz links an der E-Gitarre), Monika Gläsker am Saxofon und Sven Kreinberg am Piano (nicht auf dem Foto).
Großes Weihnachtskonzert im Haus des Bürgers: Das »Trio Infernale« mit Sebastian Dold, Jenne Gläsker und Jens Kosmiky (von links) wird zum Konzertfinale begleitet von Yvi Wylde (ganz links an der E-Gitarre), Monika Gläsker am Saxofon und Sven Kreinberg am Piano (nicht auf dem Foto). Foto: Thomas Meyer

Das »Irrlicht«, so sollte vorangestellt werden, war eine Kneipe am Hücker Moor. Ein bisschen schmuddelig, aber kultig; berühmt-berüchtigt für diverse Vorabi-Feten und so weit draußen, dass sich niemand zufällig dorthin verirrt. Dort also begründeten Sebastian »Body« Dold, Jenne Gläsker und Jens Kosmiky vor mehr als zehn Jahren eine Weihnachtskonzerte-Tradition, die an die Auftritte der Band »Body und Helden« der beiden Erstgenannten anknüpfte.

Die Parallelen zwischen dem »Irrlicht« und dem Lippinghauser Bürgerhaus sind nicht baulicher Natur, sondern betreffen mehr den Rahmen und die Klientel des Konzertes. Man kennt sich irgendwoher, man kennt im Zweifel auch einen vom »Trio« persönlich aus anderen Zusammenhängen. Und weil damit praktisch alle unter sich sind, dauert es nicht lange, bis die ostwestfälische Steifigkeit und Zurückhaltung über Bord geworfen sind und spätestens beim »Danz op de Deel« zu »Whiskey in the jar« der ganze Saal tobt.

Das wiederum wirkt sich auch auf das Trio selbst aus, das ja gar nicht so selten live zu sehen ist – Kirschblütenfest, Weihnachtsmarkt auf Gut Bustedt und bei vielem mehr. Und die so typischen Blödeleien, auch während der Stücke, für die die Fans ihre Jungs lieben, die gibt's dort auch. Aber das Trio-Märchen, eine Art Musical, das grob an »Rotkäppchen« angelehnt ist, das trauen sich Dold, Gläsker und Kosmiky anderswo nicht.

Dabei kann Jens Kosmiky hier seine komödiantischen Kapazitäten am eindrucksvollsten unter Beweis stellen, verkörpert die Rollen des schrecklich gut gelaunten Rotkäppchens, des börsenspekulierenden Wolfs und der frivolen Großmutter herzlich und als Dauerattacke auf die Lachmuskeln.

Daneben gab es die volle Breitseite an Hits zum Mitsingen und Mitgrölen. »Jingle Bells«, »Rudolph«, »Country Roads«, »Weihnachtsbäckerei«, das »Weserbogenlied«, »Marmor, Stein und Eisen bricht« und »Summer of 69«, mal in Kneipenbesetzung mit Akustikgitarre, mal mit richtig E-Gitarren-Wumms. Apropos: Erstmals in der Trio-Geschichte standen gleich drei Gastmusiker mit auf der Bühne: Sven Kreinberg an Piano und Blues-Harp, Monika Gläsker am Saxofon und Yvi Wylde an der zweiten E-Gitarre sorgten bei Westernhagens »Sexy« für vollmundigen Sound und begeisterten mit tollen Soli.

Das Lied »Es wird nie wieder so wie früher«, eigentlich von »Body und Helden«, war wohl das einzig ernst gemeinte Stück des Abends, wenn auch nicht auf die Irrlicht-Reminiszenz bezogen. Es wurde einst für ein kleines Mädchen gespielt, das im Koma lag und später verstarb. Seitdem spendet das Trio für die ZNS-Hannelore Kohl-Stiftung. Hierfür kamen am Samstag 800 Euro zusammen.

Also alles wie früher? Oder sind der Lehrer, der Musikschulleiter und der Apotheker im Alter gereift? Nein, eigentlich nicht. Vielleicht schütteln sie ihre profunde, multiinstrumentelle Virtuosität noch ein bisschen selbstverständlicher aus dem Ärmel. Vielleicht sind sie noch ein bisschen besser aufeinander eingespielt, denn bei aller Blödelei setzt der Chorgesang genau auf den Punkt ein, sitzen die Liedübergänge der Medleys passgenau. Ob sie wirklich nicht üben, wie Body es immer wieder beteuert? Kann schon sein. »Mit den Gastmusikern haben wir lediglich die Tonarten via Whatsapp abgestimmt«, sagt Sebastian Dold augenzwinkernd. Das ist wahres Talent.

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