SPD-Landtagsabgeordnete fragen, wie Landesregierung Patientenversorgung sichern will »Hausärztemangel wird sich verschärfen«

Herford (WB). 2030 wird es im Kreis Herford 70.000 Menschen geben, die älter als 65 Jahre sind. Der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt, die Hausärzte werden dagegen immer weniger. Bis zu 50 könnten in den kommenden fünf bis zehn Jahren altersbedingt ausscheiden: Das verdeutlicht die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm und Angela Lück zum Hausärztemangel.

Von Peter Schelberg
Im Herbst 2017 waren nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums bereits 574 Hausarztsitze in NRW komplett unbesetzt.
Im Herbst 2017 waren nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums bereits 574 Hausarztsitze in NRW komplett unbesetzt. Foto: dpa

»Viele Ärzte im Rentenalter finden keine Nachfolger«

Nur noch 10 Prozent der in NRW ausgebildeten rund 2000 Ärzte werden Allgemeinmediziner, warnen die Politiker. Im Kreis Herford und in Bad Oeynhausen gebe es bereits jetzt Praxen, die überfüllt seien und keine neuen Patienten aufnähmen: »Das Problem wird sich in Zukunft noch verschärfen, da viele Ärzte im Rentenalter sind und keine Nachfolger finden«, befürchten Lück und Dahm.

Altersdurchschnitt der Hausärzte im Kreis Herford liegt bei 57,4 Jahren

Der Altersdurchschnitt der Hausärzteschaft im Kreis Herford beträgt nach Angaben der Landesregierung insgesamt 57,4 Jahre, in Bad Oeynhausen liege er bei 56,1 Jahren. Laut Kassenärztlicher Vereinigung gebe es (Stichtag 1. Mai 2018) im Kreis Herford 35,5 und in Bad Oeynhausen zwei freie Hausarztsitze.

Zur Frage, wie viele Hausarztsitze voraussichtlich in den kommenden Jahren im Kreis Herford und in Bad Oeynhausen unbesetzt bleiben werden, könne keine Aussage getroffen werden, da es keine Altersgrenze für die Tätigkeit als Vertragsarzt gebe.

In den kommenden Jahren könnten bis zu 50 Hausärzte ausscheiden

Aus diesem Grund sei auch nur eine grobe Prognose möglich, wie viele Ärzte in den kommenden Jahren voraussichtlich altersbedingt ausscheiden werden: Zum Stichtag waren 131 Hausärzte (»Köpfe«) im Kreis Herford tätig, wovon 50 mindestens 60 Jahre alt oder älter waren. Von diesen 50 wiederum waren 26 mindestens 65 Jahre alt. Vor diesem Hintergrund könnten in den kommenden fünf bis zehn Jahren wahrscheinlich bis zu 50 Hausärzte altersbedingt aus der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung ausscheiden, heißt es.

In Bad Oeynhausen waren zum Stichtag 32 Hausärzte tätig, wovon zehn mindestens 60 Jahre oder älter waren. Von diesen wiederum waren fünf mindestens 65 Jahre alt. Daher könnten dort in den kommenden fünf bis zehn Jahren wahrscheinlich bis zu zehn Hausärzte altersbedingt ausscheiden.

Land sieht auch politische Verantwortung

Zur Frage der Abgeordneten, wieviele Hausärzte sich in den kommenden Jahren im Kreis Herford und in Bad Oeynhausen niederlassen werden, könne keine Aussage getroffen werden. Auf die Frage, was die Landesregierung unternehme, um die Hausarztversorgung weiterhin zu gewährleisten, verweist diese darauf, dass grundsätzlich die Kassenärztlichen Vereinigungen den gesetzlichen Auftrag zur Sicherstellung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung haben.

Gleichwohl sehe das Land auch seine politische Verantwortung. Dieser komme es mit dem Hausarztaktionsprogramm nach, das für eine Niederlassung in ländlichen Regionen einen Zuschuss gewähre.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.