Zunahme in vier Jahren um 135 Prozent – Täter schwer zu fassen – Thema im Rathaus Immer mehr illegaler Müll in Herford

Herford (WB). Illegal entsorgter Abfall wird mehr und mehr zum Problem: Die Menge ist dermaßen in die Höhe geschnellt, dass Bürgermeister Tim Kähler für Dienstag zum Müll-Gipfel lädt. Mit am Tisch: die Chefs der drei großen Entsorgungsfirmen in Herford.

Von Moritz Winde
Diese Frau kämpft gegen den wilden Dreck: Marion Hirschhorn ruft Unternehmen am 21. April zur Müllsammel-Aktion auf.
Diese Frau kämpft gegen den wilden Dreck: Marion Hirschhorn ruft Unternehmen am 21. April zur Müllsammel-Aktion auf.

389 Tonnen wilder Müll im Jahr 2017

Die Idee zu diesem Treffen hatte Marion Hirschhorn. Sie sitzt in der Geschäftsführung des gleichnamigen Abfallunternehmens und beobachtet die Entwicklung mit Sorge. »Es wird immer schlimmer. Ob an Straßen, auf Plätzen oder in Wäldern – überall liegt Müll. Ich finde es erschreckend, dass manche Leute offenbar kein Unrechtsbewusstsein haben. Ihnen scheint es egal zu sein, was sie der Umwelt und den Mitmenschen antun, wenn sie ihren Dreck in die Natur werfen.«

Nicht nur subjektiv nimmt wilder Müll zu. Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während im Jahr 2013 die Männer der Service-Gesellschaft für Wirtschaft und Kommunen (SWK) 165 Tonnen in der Hansestadt aufsammelten, waren es im vergangenen Jahr bereits 389 Tonnen – eine Steigerung um satte 135 Prozent.

»Die Entsorgungs- und Personalkosten dafür beliefen sich auf knapp 75.000 Euro«, rechnet SWK-Chef Wolfgang Rullkötter vor. Eine Rechnung, die vom Steuerzahler beglichen werden musste. Rullkötter sagt, es gebe Orte in Herford, »da müssen wir mehrmals die Woche hin. Dort laden manche ihren gesamten Sperrmüll ab.« Negativ-Spitzenreiter sei der Parkplatz am Kreisel Engerstraße/Rüterweg in Herringhausen.

Bußgelder deutlich angehoben

Immer wieder entsorgen Bürger ihren Abfall verbotenerweise auf diesem Parkplatz am Kreisel Engerstraße/Rüterweg in Herringhausen. Das Warn-Schild scheint sie nicht davon abzuhalten. Foto: Winde

Obwohl die Bußgelder für illegal entsorgten Abfall zuletzt deutlich angehoben worden sind, nimmt das Phänomen zu. Das liegt auch daran, weil es sehr schwer ist, die Umweltfrevel zu erwischen.

Nach Angaben von Stadt-Sprecherin Susanne Körner wurden im vergangenen Jahr 31 Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz eingeleitet. »Nur die Hälfte waren erfolgreich, der Rest wurde eingestellt.« Gerade einmal 2000 Euro an Buß- und Verwarngeldern kamen so zusammen – ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Marion Hirschhorn kann diejenigen nicht verstehen, die ihren Müll achtlos in die Gegend werfen. An den Entsorgungskosten könne es nicht liegen. »Ein großer blauer Sack mit Restmüll kostet 2,50 Euro, ein Kilo Schutt zwei Cent und 100 Kilo Holz acht Euro – das ist doch pillepalle.« Auf dem Müll-Gipfel möchte die 40-Jährige am Dienstag mit der Verwaltung und ihren Kollegen aus der Branche (SWK/Tönsmeier) erörtern, was für ein sauberes Herford getan werden kann.

Als ersten Schritt sollen die Hirschhorn-Öffnungszeiten am Samstag bis 16 Uhr erweitert werden. Auch über eine regelmäßige kostenlose Sperrmüll-Abgabe sollte nachgedacht werden, findet sie.

Zwei Sammelaktionen geplant

Um mit gutem Beispiel voranzugehen und ein Zeichen zu setzen, ruft Marion Hirschhorn zum Müllsammeln auf – und zwar am Samstag, 21. April, ab 11 Uhr. Anders als die Saubermach-Aktion der Stadt am Wochenende 16./17./18. März, die sich vorwiegend an Kitas, Schulen und Vereine richtet, will sie vor allem die Unternehmen mit ins Boot holen. »Wir stellen die Mulden und kümmern uns um die fachgerechte Entsorgung«, verspricht sie.

Wer Kontakt zu Marion Hirschhorn aufnehmen möchte, kann dies unter der Nummer 05221/50559 oder per E-Mail tun:

mhirschhorn@hp-hirschhorn.de

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