Johanniskirche wieder mit Kreuz Im zweiten Versuch kommt das Kreuz oben an

Herford (WB). Der zweite Versuch ist geglückt, die Johanniskirche hat wieder ein Kreuz. Über Stunden haben sich am Freitag die Blicke der Passanten am Neuen Markt gen Himmel gerichtet.

Von Jan Gruhn
Kommt ein Kreuz geflogen: Die Johanniskirche in Herford hat seinen Turmschmuck zurück.
Kommt ein Kreuz geflogen: Die Johanniskirche in Herford hat seinen Turmschmuck zurück. Foto: Jan Gruhn

Das Funkgerät knackt. »Weiter ablassen«, krächzt es. Holger Menke schreitet nervös auf und ab. Unten stehen und zu warten, während oben seine Kollegen Danny Schling (37) und Gary Bilton (47) das 500 Kilogramm schwere Kreuz in Empfang nehmen. »Das ist das Schlimmste«, meint der Spengler aus Bad Salzuflen, der den marode gewordenen Turmschmuck wieder auf Vordermann gebracht hat.

500 Kilo schweben nach oben

Doch wenige Augenblicke später ist es geschafft. Das fast 500 Kilogramm schwere Ungetüm steckt in der neuen Halterung. Bereits am Donnerstag hatten Menke und seine Kollegen das Kreuz auf die Spitze hieven wollen. Doch zu starker Wind machte dem Team zu schaffen, die Aktion wurde abgebrochen. Einen Tag danach der neue Versuch – erfolgreich.

»Ich habe mich immer sicher gefühlt«, sagt Dachdecker Schling, als er nach dem Anschrauben des Kreuzes wieder auf festem Boden steht. Allerdings verliere man da oben das Gefühl für die Höhe. »Es hätten auch 50 oder 60 Meter sein können.« Aber es sind 72 Meter bis an die Turmspitze. Ehefrau Katja Schling und der kleine Tayo (1) schauen von unten zu. Sorgen um den Papa machen sie sich nicht. »Er ist ja gut gesichert.«

Kinder stehen staunend am Fenster

Die Kinder vom Kindergarten St. Johannis verfolgen den Kreuzaufbau ganz genau. »Sobald sich dort etwas getan hat, standen wir am Fenster«, sagt Mitarbeiterin Heidi Kemena. Und auch zahlreiche Passanten halten immer wieder an, um die spektakuläre Arbeit in luftiger Höhe zu verfolgen. Der meistgehörte Satz: »Das wäre nichts für mich.«

Vom Boden aus sorgt Kranführer Sascha Lawless mit viel Fingerspitzengefühl dafür, dass zuerst die neue Stahlhülse ihren Weg nach oben findet – und anschließend eben das Kreuz. Pfarrer Johannes Beer, der gerade rechtzeitig von einem privaten Termin zurückkommt, erlebt die Aufstellung staunend mit. »Möge es dort oben bleiben. Auf dass ich es nicht mehr auf dem Boden sehe«, sagt der Geistliche mit einem Augenzwinkern.

Eine Kleinigkeit fehlt noch: der Hahn. Den bringt Spengler Holger Menke anschließend selbst nach ganz oben. Denn unten stehen und warten zu müssen, ist schließlich das Schlimmste.

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