Verteidigung stellt Anträge – Gericht weist diese zurück Taxi-Schlägerei: War es Notwehr?

Herford (WB). Gingen Provokationen und Aggressivität vom späteren Opfer der so genannten Taxi-Schlägerei am Herforder Bahnhof aus? Handelte der 24-jährige Bad Oeynhauser, gegen den seit November vor dem Landgericht verhandelt wird, nur in Notwehr, um sich gegen einen Angriff des 35-jährigen Taxifahrers zu verteidigen? Diese Fragen haben am Freitag die Verteidiger des Angeklagten aufgeworfen.

Von Steve Wasyliv

Sechs Beweisanträge gestellt

Der Vorsitzende Richter der 20. Großen Strafkammer, Dr. Bernd Bovenschulte, war mit seinem »Programm der Beweisaufnahme« soweit durch. Doch das Verteidiger-Trio stellte gleich sechs Beweisanträge. So soll ein Zeuge nach Angaben von Rechtsanwalt Mirko Roßkamp gesehen haben, wie das spätere Opfer aggressiv aufgetreten sei, sich seiner Jacke entledigte und einen Schlag in Richtung des Angeklagten ausgeübt haben soll. Der 24-Jährige hingegen sei »beschwichtigend« aufgetreten.

Einsatz eines Schlagrings?

Allerdings habe auch der Zeuge nicht den möglichen entscheidenden Schlag, der nach Ansicht einer Gerichtsmedizinerin mit einem Schlagring ausgeführt worden sein kann und das Opfer zum Schwerstpflegefall machte, wahrgenommen. Roßkamp reicht die zugesicherte Aussage, um den Beweis führen zu wollen, dass der Angeklagte in Notwehr gehandelt habe. Er hätte sich eines Angriffs erwehrt.

Aussage eines Zeugen

Strafverteidigerin Nicole Friedrich stellte den Beweisantrag, einen 44-jährigen Taxifahrer erneut als Zeugen zu vernehmen. Dieser ist die einzige Person, die angab, zumindest den folgenschweren Schlag gehört zu haben. »Das war so, als wenn ganz doll ein rohes Ei auf den Boden aufschlägt«, sagte der Herforder im November vor Gericht aus. Schließlich habe er dem Opfer die Jacke ausgezogen und unter den blutenden Kopf gelegt.

Frage nach Glaubwürdigkeit

Friedrich glaubt nicht, dass dies bei einem 80 Kilogramm schweren bewusstlosen Mann möglich ist. Sie beantragte eine Rekonstruktion des Geschehens. Auch will sie eine Damenclique in den Zeugenstand rufen. Die drei Frauen sollen damals Ersthelfer gewesen sein. Eine Jacke hätten sie nicht unter dem Kopf des Opfers gesehen. Auch habe sich keiner um den 35-jährigen Taxifahrer gekümmert. Der 44-jährige Zeuge gab an, Erste Hilfe geleistet zu haben. Mithin würden die Aussagen der Frauen die Glaubwürdigkeit des Tatzeugen mehr als in Frage stellen, so Friedrich.

Richter Bovenschulte wies die Anträge der Verteidigung wegen der Besorgnis der Befangenheit des Gutachters wie der Richter als »Verschleppungsabsicht« zurück. Das Gericht will am Freitag noch einen Zeugen befragen und dann entscheiden, ob plädiert werden kann.

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