Ex-Vorsitzender des Herforder SV hat laut Staatsanwaltschaft sieben Vorstrafen Abgetretener Vereinschef verurteilt

Herford (WB). Der am Freitag überraschend zurückgetretene Vorsitzende des Frauenfußball-Zweitligisten Herforder SV ist seit Donnerstag rechtskräftig wegen versuchten Betrugs zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Von Christian Althoff
Vor dem Landgericht Detmold fand gestern die Berufungsverhandlung gegen den früheren Vereinsvorsitzenden statt.
Vor dem Landgericht Detmold fand gestern die Berufungsverhandlung gegen den früheren Vereinsvorsitzenden statt. Foto: dpa

Wie berichtet, hatte sich der 35-jährige Lemgoer dem Herforder Verein im Februar als »Dr.« vorgestellt . Er gab an, Betriebswirtschaft studiert und früher bei Borussia Dortmund gespielt zu haben. Am 20. Februar wählten ihn die Mitglieder für zwei Jahre zum neuen Vorsitzenden.

Recherchen des WESTFALEN-BLATTS ergaben dann aber, dass der Dr.-Titel nur ein »Dr. h.c« (»Ehrendoktor«) ist und aus Kirgisistan stammen soll. Der Mann hat auch nicht, wie von ihm behauptet, Abitur, sondern einen Realschulabschluss. Und: Borussia Dortmund gab an, den Lemgoer nicht zu kennen. Zudem wurden Vorstrafen des 35-Jährigen bekannt. Daraufhin trat er am vergangenen Freitag von seinem Amt beim Herforder SV zurück.

Wegen versuchten Betrugs vor Gericht

Im November 2017 verurteilte das Amtsgericht Lemgo den Lipper wegen versuchten Betrugs zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Er hatte im Februar 2017 Leistungen der Arbeitsagentur beantragt und angegeben, keine Einkünfte zu haben. Tatsächlich aber hatte er im Januar eine Anstellung bei einem gastronomischen Betrieb gefunden.

Die Arbeitsagentur bewilligte Geld und zahlte dieses ans Sozialamt, das den Lemgoer schon damals unterstützte. Als die Sache aufflog, erstattete das Sozialamt der Arbeitsagentur das Geld – nur deshalb entstand den Steuerzahlern kein Schaden.

Gegen das Urteil gingen der Lemgoer und die Staatsanwaltschaft in Berufung. Gestern wurde der Fall deshalb vor dem Landgericht Detmold in zweiter Instanz verhandelt.

Der Staatsanwalt hielt eine Haftstrafe ohne Aussetzung zur Bewährung für notwendig. Er sprach von einem Serientäter, der bereits sieben Mal einschlägig vorbestraft sei. Außerdem habe sich der Mann die vorausgegangene Haft offenbar nicht als Warnung gelten lassen, als er versucht habe, das Jobcenter zu betrügen. Denn der Lemgoer war erst am 22. Dezember 2016 nach drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden, den Betrugsversuch hatte er wenige Wochen später im Februar 2017 unternommen.

Richter tendiert zu Bewährungsstrafe

Der Vorsitzende Richter Gerhard Lüking sagte, er tendiere trotzdem zu einer Bewährungsstrafe, und regte an, dass beide Seiten ihre Berufung zurücknehmen. So kam es dann auch, womit die Verurteilung des Amtsgerichts rechtskräftig ist.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld prüft unterdessen, ob der Mann sich in Herford als »Dr.« vorstellen durfte – ohne Hinweis auf den Ehrendoktor, und ohne Hinweis auf die Herkunft des Titels. Im nordrhein-westfälischen Hochschulgesetz heißt es, ein ausländischer Ehrengrad könne nur »unter Angabe der verleihenden Stelle geführt werden«.

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