Zu viel Wind in Herford – Johanniskirche weiter ohne Kreuz – heute neuer Anlauf – mit Video Turmspitze bleibt am Boden

Herford (WB). Eigentlich hätte das restaurierte Kreuz am Donnerstag auf die Spitze der Johanniskirche zurückkehren sollen. Doch zu starker Wind hat das verhindert. Heute will Experte Holger Menke einen neuen Anlauf starten.

Von Jan Gruhn
Achtung, Abbruch! Die neue Trägerkonstruktion muss am Donnerstag – ebenso wie das Kreuz der Johanniskirche – doch auf dem Boden bleiben. Heute soll der zweite Versuch gestartet werden.
Achtung, Abbruch! Die neue Trägerkonstruktion muss am Donnerstag – ebenso wie das Kreuz der Johanniskirche – doch auf dem Boden bleiben. Heute soll der zweite Versuch gestartet werden. Foto: Jan Gruhn

 Gegen kurz nach 11 Uhr schüttelte der Chef der Firma HM-Dachtechnik aus Bad Salzuflen mit dem Kopf: »Wir brechen ab.« Rund um den 72 Meter hohen Turm herrschten Windgeschwindigkeiten von zwölf Metern pro Sekunde. Das Problem: Sind die Böen zu stark, schaltet sich der Kran ab. »Dann sitzen meine Leute da oben fest.«

Geplant war, dass zunächst zwei speziell ausgebildete Fachmänner per Korb in luftige Höhe befördert werden. Dort sollten sie aussteigen und sich mit Seilen an den Kirchturm hängen. Anschließend hätten sie erst die neue Halterung – ebenfalls per Kran hochgehievt – passend ausgerichtet und befestigt. Anschließend wäre das fast eine halbe Tonne schwere Kreuz aufgestellt worden. So ausgeklügelt der Plan auch war – Petrus spielte nicht mit.

Kugel ist jetzt ein Teil

Die Aufarbeitung des Turmschmuckes war nötig geworden, weil er über die Jahre marode geworden war. Zum einen hatte Feuchtigkeit den so genannten Kaiserstiel angegriffen, zum anderen war die unter dem Kreuz befindliche Holzkonstruktion vermodert. Damit das Kreuz künftig besser gegen Witterung gewappnet ist, haben Holger Menke und seine Kollegen in der Spengler-Werkstatt vorgesorgt. So haben sie unter anderem die zweiteilige, große Kugel am Fuße des Kreuzes zu einem Ganzen zusammengefügt.

Sollten künftige Generationen das Kreuz noch einmal vom Turm heben, werden sie in der großen Kugel eine Kupferkiste finden. Darin sind unter anderem Zeitungsberichte über das Kreuz, eine Luther-Playmobil-Figur und Münzgeld versteckt, erklärte Pfarrer Johannes Beer am Donnerstagmorgen. Er wird beim zweiten Anlauf allerdings wegen eines Termins nicht dabei sei. »Schade«, meint der Geistliche. »Aber ich war auch nicht da, als es herunter geholt wurde. Das zeigt doch Kontinuität.« Die Gesamtkosten für die Aufarbeitung des Kreuzes belaufen sich laut Beer aktuell auf etwa 80.000 Euro. »Ich hoffe, dieser Extra-Tag schlägt nicht zu sehr zu Buche.«

Kran bleibt stehen

Mit fünf Mitarbeitern war Menke angerückt. Etwa noch mal so viele von der Kran-Firma Franz Bracht sollten dafür sorgen, dass der Turmschmuck zurück nach Hause findet. Ihr Projektleiter Peter Preuß holte sich gleich nach dem Abbruch die Erlaubnis von der Stadt, den Kran zwischen Neuem Markt und Frühherrenhaus stehen zu lassen. Das Kreuz allerdings, erklärte Pfarrer Beer, wurde für die Nacht noch einmal weggefahren.

Ab 9 Uhr will Menke heute, Freitag, den neuen Versuch wagen. »Der Wind soll bis dahin schwächer werden.« Doch ob es klappt, klärt sich wohl erst im Laufe des Vormittags. Sonst muss die Johanniskirche eine weitere Nacht »oben ohne« auskommen.

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