Amtsgericht Herford: Vergewaltigung aber nicht nachweisbar Friseur gesteht Sex mit Teenager

Herford/Bad Oeynhausen (WB/jmg). Weil nicht genug Hinweise auf eine Vergewaltigung vorlagen, ist das Verfahren gegen einen Bad Oeynhauser Friseur (47) am Freitagmorgen vor dem Amtsgericht Herford eingestellt worden. Zwar hatte der Mann zugegeben, im Keller seines Salons mit einem damals 17-Jährigen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

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Symbolfoto. Foto: dpa

Weil das Opfer sich eigenen Angaben zufolge vor Gericht allerdings nicht mehr genau an die Tat erinnern konnte, sei laut Richterin Alea Blöbaum der Vorgang nicht zweifelsfrei aufzuklären.

Zusammen in den Keller gegangen

Zu Beginn des Prozesses gestand der Angeklagte, Anfang März 2017 Sex mit dem heute 18-Jährigen gehabt zu haben. Über seinen Anwalt Dr. Detlev Binder ließ der verheiratete Mann erklären, dass das Opfer in seinen Laden gekommen sei. Nachdem alle Kunden das Geschäft verlassen hätten, habe er die Tür abgeschlossen und sei mit dem Geschädigten in den Keller gegangen.

Dort habe er mit dem 17-Jährigen vor einem Sofa Geschlechtsverkehr gehabt. Als das Opfer mehrfach »Nein« gesagt habe, habe er sofort damit aufgehört. Anschließend, so erklärte der Strafverteidiger weiter, habe der Angeklagte dem Opfer 100 Euro Schweigegeld angeboten.

Binder erklärte, dass der Angeklagte homosexuell sei und des Öfteren Besuch von männlichen Prostituierten im Laden gehabt hätte. Davon sei er auch im Fall des 17-Jährigen ausgegangen. Der junge Mann habe kein Wort gesagt, bevor es zum Sex kam.

Aussagen kaum nachvollziehbar

Die Aussagen des Opfers, das mit seiner Mutter und einem Bevollmächtigten vor Gericht erschienen war, waren für Richterin Blöbaum nur schwer nachvollziehbar – auch, weil es dem Geschädigten schwer fiel, sich verbal zu äußern. Er konnte sich eigenen Angaben zufolge nicht mehr an den Ablauf der Tat erinnern.

Er sei für einen Haarschnitt im Salon gewesen. Ein Bekannter, der auch als Zeuge geladen war, habe ihn dorthin gebracht. Mit jenem Bekannten, so erklärte das Opfer plötzlich in der Befragung, habe er zudem auch einmal sexuell Kontakt gehabt. Welche Aussagen der Wahrheit entsprechen, blieb vor Gericht ungeklärt.

»Wir haben das Problem, dass nur zwei Personen anwesend waren«, sagte Blöbaum. Und die Aussagen des Opfers seien nicht eindeutig genug. Daher müsse der Fall, mit Blick auf die Aussage des Angeklagten, als Missbrauch Jugendlicher gewertet werden. Allerdings müsse der Angeklagte zumindest seine Verfahrenskosten selbst tragen.

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