Nadine Schuhenn (22) ist die einzige Straßenwärterin in der Autobahnmeisterei Herford Diese Frau steht ihren Mann

Herford (WB). Sprüche und Witze ihrer Kollegen muss sich Nadine Schuhenn öfter mal anhören, ob über Frauen oder Blondinen. Da kontert sie oder lacht einfach mit. Die 22-Jährige ist die einzige Frau im Team der Autobahnmeisterei Herford.

Von Bärbel Hillebrenner
22 Jahre alt und von Beruf Straßenwärterin: Nadine Schuhenn ist die einzige Frau im 30-köpfigen Team der Autobahnmeisterei Herford. Vorteile hat sie deshalb nicht.
22 Jahre alt und von Beruf Straßenwärterin: Nadine Schuhenn ist die einzige Frau im 30-köpfigen Team der Autobahnmeisterei Herford. Vorteile hat sie deshalb nicht. Foto: Moritz Winde

»Sister« steht auf der schwarzen Wollmütze, doch wie eine Schwester der 25 männlichen Straßenwärter fühlt sie sich nicht. »Manchmal werde ich Teufel oder auch Hexana genannt. Ich bin hier aber völlig gleichberechtigt. Vorteile, nur weil ich eine Frau bin, gibt’s nicht«, sagt Nadine Schuhenn. Will sie auch gar nicht haben. Die junge Frau kann nämlich ordentlich zupacken, sie greift genauso zu Hammer, Motorsäge und Bohrmaschine wie jeder Kollege. »Bei den Arbeiten an der Strecke wird keine Ausnahme gemacht. Ich werde nicht mit Samthandschuhen angefasst oder von einem harten Job verschont, aber ein Weichei bin ich sowieso nicht.«

Autobahnmeisterei betreut 84 Kilometer

Nadine Schuhenn ist eine der wenigen Straßenwärterinnen, deren Arbeitsplatz die Autobahn ist. 80 Betriebe der Landesbehörde Straßen NRW kümmern sich um die Autobahnen – 84 Kilometer liegen im Herforder Zuständigkeitsbereich.

Zu den Aufgaben der Straßenwärter gehören Unterhaltungsarbeiten, Aufräumen nach einem Unfall, Straßenreinigung, Grünpflege und auch der Winterdienst. Rausfahren bei minus zehn Grad mitten in der Nacht – für Nadine Schuhenn kein Problem. »Dass solche unangenehmen Situationen wie jetzt gerade auf mich zukommen, wusste ich ja vorher.«

Praktikum schon als Schülerin

Noch in der Hauptschule machte sie mit 14 Jahren ein dreiwöchiges Praktikum in der Autobahnmeisterei an der Vlothoer Straße. »In der Schule hatte man uns Mädchen motiviert, auch mal in Männerdomänen reinzuschauen. Und bei der Straßenmeisterei fand ich es total spannend.« Also bewarb sie sich – und wurde genommen, den Eignungstest bestand sie mit Bravour.

Der erste Tag als junge weibliche Auszubildende? »Aufregend, natürlich! Ich wollte den Kerlen ja beweisen, dass ich es kann und mir für keine Arbeit zu schade bin. Sie hatten mit einer Vorgängerin von mir nicht so gute Erfahrungen gemacht.« Zart besaitet oder zickig, nein, das dürfe man sowohl in dem Männer-Team als auch bei der Arbeit an der Autobahn nicht sein. Der Umgangston sei manchmal ruppig, aber nie respektlos.

Führerschein für Lkw

Der erste Blick morgens kurz vor sieben – Dienstbeginn – geht auf den Arbeitsplan: Flickarbeiten auf der A2. Material und Geräte auf den Laster laden und los! Nadine Schuhenn schwingt sich hinter’s Lenkrad, steuert auf dem Bock den dicken Lkw. Den Führerschein musste sie während der Lehre machen – das zum Thema Gleichberechtigung. »Ich finde das cool, meine Freundinnen beneiden mich da natürlich.« Ihre Kollegen hätten kein Problem, wenn sie als Frau am Steuer der dicken Brummis sitzt.

Dass der Arbeitsplatz an der Autobahn auch gefährlich sein kann, das musste Nadine Schuhenn einmal erfahren. »Wir parkten auf dem Standstreifen und ich sah im Rückspiegel, wie ein Lkw auf der gleichen Spur auf uns zu kam. In letzter Sekunde konnte er noch ausweichen.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.