Tatort Herforder Bahnhof: Angeklagter aus Bad Oeynhausen als schuldfähig bewertet Vorwurf der Verschleppung im Taxischläger-Prozess

Bielefeld/Herford (WB). Auch nach fast vier Monaten gibt es im so genannten Taxischläger-Prozess vom Herforder Bahnhof am Landgericht Bielefeld noch kein Urteil. Der psychiatrische Sachverständige stellte nun jedoch die uneingeschränkte Schuldfähigkeit des Angeklagten fest.

Von Steve Wasyliw
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Bereits seit Anfang November verhandelt die 20. Große Strafkammer über den brutalen Zwischenfall vom 7. November 2015, an dessen Ende das Opfer, ein 35-jähriger Taxifahrer, durch Schläge mit einem Gegenstand (vermutet wird der Einsatz eines Schlagrings) so heftig geschädigt wurde, dass er wahrscheinlich nie wieder laufen, sprechen oder anderweitig kommunizieren wird.

»Verschleppungsabsicht« der Verteidiger

Auch in der Prozessfortsetzung am Dienstag setzten die drei Verteidiger des 24-jährigen Angeklagten auf eine Konfliktverteidigung. Bevor der gerichtlich bestellte Gutachter Dr. Bernhard Bätz seinen Bericht halten konnte, stellten die Juristen einen Befangenheitsantrag gegen den Psychiater. Nach einem dreieinhalbstündigen Kräftemessen mit dem Gericht wies der Vorsitzende Richter Bernd Bovenschulte den Antrag als unzulässig zurück. Das Begehren sei nicht mit der Absicht verfolgt worden, den Gutachter »wegen der Besorgnis der Befangenheit« abzulehnen, sondern vielmehr sei die »Verschleppungsabsicht« der Verteidiger offensichtlich.

Die Ehefrau des Geschädigten, die den gesamten Prozess verfolgt, äußerte ihr Unverständnis über die Verteidigungsstrategie. Man könne nicht erkennen, worauf die Anwälte hinaus wollen. Zudem sei der nun knapp viermonatige Prozess für die ganze Familie eine »sehr hohe Belastung.« Anwaltlich werden die Herforder durch den Verteidiger Georg Schulze als Nebenkläger vertreten. »Man will mit dem Ganzen irgendwann auch mal abschließen«, sagte die dreifache Mutter.

Nie wurde etwas diagnostiziert

Psychiatrisch konnte Dr. Bätz bei dem Angeklagten keine posttraumatische Belastungsstörung, Schizophrenie oder anderweitige Persönlichkeitsstörung feststellen. Zwar habe sich der junge Mann aus Bad Oeynhausen einer genaueren Untersuchung auf anwaltlichen Rat entzogen, jedoch könne der 62-Jährige Rückschlüsse aus Klinikbefunden und Zeugenaussagen ziehen. Seit seinem elften Lebensjahr soll sich der Angeklagte immer wieder zu Phantombeschwerden wie Rheuma, Atemnot oder Blutkrebs geäußert haben. Nie wurde etwas Derartiges medizinisch diagnostiziert. Bätz beschreibt dies als »Somatisierungsstörung«.

In Tests sei der 24-Jährige als »maximal depressiv« aufgefallen. Der Gutachter äußerte auch daran Bedenken und mutmaßte, dass der Angeklagte sich vielleicht als depressiv darstellen wollte. Dazu würde auch ein Psychiatrieaufenthalt kurz vor der Verhandlung passen. Insgesamt sei der Bad Oeynhausener jedoch uneingeschränkt schuldfähig, weshalb keine gerichtliche Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet werden könne. Wenn es nach Bätz ginge, müsste der potenzielle Taxischläger im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe in einer regulären Justizvollzugsanstalt absitzen.

Die Verkündung eines Urteils ist noch nicht absehbar. Verteidiger Raban Funk kündigte ein weiteres Ablehnungsgesuch, wohl erneut gegen die Richterbank, an.

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