Lebensgefährte zu zehn Monaten Haft verurteilt – Richterin: »Sie haben die Situation ausgenutzt« Koma-Patientin in Herforder Heim missbraucht

Herford (WB). Tragischer Fall vor dem Amtsgericht Herford: Eine Wachkoma-Patientin (52) im Heinrich-Windhorst-Haus ist von ihrem langjährigen Lebensgefährten (59) sexuell missbraucht worden.

Von Moritz Winde
Im Heinrich-Windhorst-Haus wurde die Wachkoma-Patientin missbraucht. Eine Pflegerin rief die Polizei.
Im Heinrich-Windhorst-Haus wurde die Wachkoma-Patientin missbraucht. Eine Pflegerin rief die Polizei. Foto: Moritz Winde

Pflegerin ruft die Polizei

Der Mann ist am Dienstag zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe sowie 3000 Euro Geldbuße verurteilt worden. »Ich weiß, dass ich eine Grenze übertreten habe. Aber ich wollte ihr nie etwas Böses«, sagte der Angeklagte unter Tränen.

Einer aufmerksamen Pflegerin ist es zu verdanken, dass die Tat ans Licht kam. Die Frau hatte am späten Abend des 15. Januar 2016 verdächtige Geräusche aus dem Zimmer des Pflegezentrums am Klinikum gehört. Dort wird die Frau betreut, die seit einem misslungenen Eingriff am Rücken im Jahr 2015 im Wachkoma liegt. Sie hat schwere Hirnschädigungen, kann nicht laufen und sprechen und wird über eine Magensonde ernährt.

Angeklagter gesteht

Die Mitarbeiterin der evangelischen Diakoniestation betrat den Raum und entdeckte das Paar mit heruntergelassenen Hosen und in eindeutigen Posen. 20 Minuten später wurde der Beschuldigte von der Polizei verhört. Die Staatsanwaltschaft wertete den Geschlechtsverkehr als sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person und klagte den Mann an.

Der Angestellte eines großen Konzerns legte am Dienstag ein Geständnis ab. Er sagte, die Beziehung sei immer von großer Harmonie und Liebe geprägt gewesen. »Wir waren seelenverwandt und hatten schon die Heirat geplant. Nach der OP brach einiges zusammen.«

Trotz des Schicksalsschlags wandte sich der Niedersachse, der drei Kinder aus erster Ehe hat, nicht von seiner Freundin ab, sondern besuchte sie jedes Wochenende im Heim in Herford.

Eigener Wille konnte nicht geäußert werden

Der Angeklagte sagte, er habe seine Lebensgefährtin im Moment des Geschlechtsverkehrs nicht als behindert wahrgenommen. »Sie hat schöne Reaktionen gezeigt. Es war fast so wie früher.«

Jeder Mensch muss seine Zustimmung zum Sex geben. »Eine Willensäußerung war in diesem Fall aber gar nicht zweifelsfrei möglich. Sie haben die Situation ausgenutzt und ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt«, begründete Richterin Alea Blöbaum ihr Urteil.

Zuvor hatte Prof. Dr. Andreas Bender, Facharzt für Neurologie, erklärt, das Opfer sei zwar in der Lage gewesen, in sehr eingeschränktem Maße auf die Umwelt zu reagieren, aber: »Ein eigener Wille konnte nicht klar ausgedrückt werden.«

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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