Geldstrafe verhängt – Opfer seit Unfall auf Rollator angewiesen Mann (29) fährt Freund an: Doch vieles bleibt unklar

Herford (WB/jmg). Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs sowie fahrlässiger Körperverletzung muss ein Herforder (29) mit türkischem Pass eine Geldstrafe in Höhe von 2500 Euro zahlen. Dazu wurde er am Freitag vor dem Herforder Amtsgericht verurteilt. Er hatte im Dezember vor einem Imbiss an der Enger Straße einen Freund (42) mit dem Auto angefahren.

Vor dem Alanya Grill an der Enger Straße ist es im Dezember 2015 zu dem folgenschweren Unfall gekommen.
Vor dem Alanya Grill an der Enger Straße ist es im Dezember 2015 zu dem folgenschweren Unfall gekommen. Foto: Jan Gruhn

Es war bereits der zweite Verhandlungstermin. Im September hatte Richterin Alea Blöbaum die Sitzung vertagt, weil aufgrund der damaligen Zeugenaussagen keine eindeutige Klärung des Sachverhalts möglich gewesen war. Doch auch dieses Mal blieb es undurchsichtig.

Zwei Promille im Blut

Das Gericht sah es allerdings als erwiesen an, dass der Geschädigte und der Angeklagte gemeinsam im Imbiss den ganzen Abend lang gezecht hätten. In der Nacht sei es dann zu einem Streit gekommen, in dessen Folge sich der 29-Jährige mit knapp zwei Promille im Blut ans Steuer eines Renault Twingos gesetzt habe. Nach gegenseitigen Beschimpfungen habe er seinen Bekannten mit dem Auto angefahren.

Sowohl Angeklagter als auch Opfer gaben vor Gericht an, trotz des Vorfalls nicht zerstritten zu sein. Dennoch trat der Angefahrene als Nebenkläger auf. Seit dem Unfall sei er auf den Rollator angewiesen. Zurzeit befinde er sich bezüglich der Behandlungskosten im Streit mit der Versicherung.

Hüfte und Schambein kaputt

Übereinstimmenden Zeugenberichten zufolge soll der Geschädigte in der Tatnacht allerdings jegliche Behandlung abgelehnt haben. Im Krankenhaus seien zudem keine schwerwiegenden Verletzungen festgestellt worden. Erst als einen Tag später die Schmerzen zu groß geworden seien, so der 42-Jährige, habe ihn seine mittlerweile von ihm getrennt lebende Ehefrau ins Krankenhaus bringen lassen. Dort seien Brüche in der Hüfte und am Schambein festgestellt worden.

Trotzdem sei der Konflikt mit dem Angeklagten für ihn erledigt. Auch die weiteren geladenen Zeugen, unter anderem die Ehefrau des Opfers, die damals eingesetzten Polizeikräfte und ein Anwohner, konnten keine weiteren Hinweise zum Vorgang liefern. Einzig der Mitangeklagte, ein Bulgare (35), konnte freigesprochen werden. Ihm war vorgeworfen worden, den Twingo nach dem Unfall mit einer erheblichen Menge Alkohol im Blut weggefahren zu haben. »Es bleibt der Eindruck, dass dort etwas gewesen ist, was sich uns verschließt«, resümierte Blöbaum mit Blick auf den ungeklärten Vorgang.

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