Taucher überprüft Schäden am Bergertor-Wehr – am Mittwoch läuft die Werre leer Inspektion unter Wasser

Herford (WB). Wie kaputt ist das Werre-Wehr am Bergertor wirklich? Besteht ein Sicherheitsrisiko? Um das herauszufinden, ist am Dienstag ein Taucher einer Spezialfirma aus Seelze in das drei Grad kalte Wasser gestiegen. Der Fluss wurde zuvor um 20 Zentimeter abgesenkt.

Von Moritz Winde
Es geht abwärts: Till Schweickert klettert in die drei Grad kalte Werre. Dort macht er Unterwasser-Aufnahmen, um die Schäden am Wehr zu dokumentieren. Zuvor hat ihm Kollege Justin Lindemann in Latex-Anzug und Helm geholfen.
Es geht abwärts: Till Schweickert klettert in die drei Grad kalte Werre. Dort macht er Unterwasser-Aufnahmen, um die Schäden am Wehr zu dokumentieren. Zuvor hat ihm Kollege Justin Lindemann in Latex-Anzug und Helm geholfen. Foto: Moritz Winde

Wollsachen unterm Gummianzug

Till Schweickert scheint das eiskalte Wasser kalt zu lassen. Unbeeindruckt kraxelt der 49-Jährige die Treppe herunter. »Ich bin ja in Bewegung. Und ich trage unterm Gummianzug warme Wollsachen«, sagt er. Platsch – schon ist er weg. Schweickert ist bereits in halb Europa getaucht, hat Schiffswracks untersucht, Kläranlagen gereinigt und nach Minen gesucht. Da ist die Inspektion des Wehrs für ihn und die Männer der niedersächsischen Firma Tauchmayer Routine.

Mit einer Videokamera ausgestattet, dokumentiert Schweickert Schäden wie Löcher, Risse oder andere poröse Stellen am 1971 errichteten Bauwerk. Über Funk ist der Taucher mit seinem Kollegen verbunden. Hans-Georg Ruhnke verfolgt die Unter-Wasser-Szenerie von Land. »Die Sicht ist relativ klar«, sagt er und deutet auf den Bildschirm, auf dem für den Laien allerdings wenig zu erkennen ist.

Eisenteile stark angegriffen

Wie sehr die Anlage in fast einem halben Jahrhundert gelitten hat, wird an einem Stahlelement deutlich, das aus dem Wasser hervorlugt. »Da ist ein großes Stück im Lauf der Zeit weggebrochen«, sagt Andreas Paulus von der SWK, Abteilung Gewässerunterhaltung. Und Simone Schicketanz von der Stadtverwaltung stellt klar: »Das Wehr ist wohl nicht mehr zu retten. Wir wollen wissen, wie dringend gehandelt werden muss.« Die Inspektion kostet mehr als 10.000 Euro. Zuletzt wurde eine solch aufwändige Kontrolle 2006 durchgeführt. Seit langem wird um die Umgestaltung des Wehrs gestritten.

EU-Vorschriften müssen umgesetzt werden

Die Stadt steht unter Zugzwang: Denn die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass das Wasser der Werre bis 2027 ungehindert die Barriere am Bergertor passieren muss, damit der Lebensraum vieler Flussbewohner nicht eingeschränkt wird. Stichwort: Renaturierung.

Am Mittwoch wird die Überprüfung fortgesetzt. Dann werden die Bauteile der Anlage weiter inspiziert. Dazu muss das Wehr dann komplett, also um fast zweieinhalb Meter, heruntergefahren werden – und der Fluss läuft leer.

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