Dieter Wollersheim (51) bekommt Ernennungsurkunde des Kreises Seelsorger für die Feuerwehr

Herford (WB/hil). Schwerletzte aus Autowracks herausschneiden, verstorbene Unfallopfer bergen, Menschen aus den Flammen retten: Die Arbeit der Feuerwehrleute geht oft an deren psychische Grenzen. »Da kann man nach dem Einsatz nicht einfach die Jacke an den Haken hängen und nach Hause gehen«, sagt Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer.

Landrat Jürgen Müller (rechts) und Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer (links) übergeben Dieter Wollersheim die Ernennungsurkunde. Mit dabei sind (hinten, von links) Vize-Kreisbrandmeister Bernd Kröger, Herfords Feuerwehrchef Michael Stiegelmeier, Superintendent Michael Krause, Amtsleiterin Silke Vahrson-Hildebrand und Dezernent Paul Bischof.
Landrat Jürgen Müller (rechts) und Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer (links) übergeben Dieter Wollersheim die Ernennungsurkunde. Mit dabei sind (hinten, von links) Vize-Kreisbrandmeister Bernd Kröger, Herfords Feuerwehrchef Michael Stiegelmeier, Superintendent Michael Krause, Amtsleiterin Silke Vahrson-Hildebrand und Dezernent Paul Bischof. Foto: Bärbel Hillebrenner

Um so wichtiger ist die seelsorgerische Betreuung durch einen Fachmann, der sich sowohl mit der feuerwehrtechnischen Praxis auskennt als auch psychologisch und theologisch geschult ist. Genau das ist Dieter Wollersheim. Der 51-Jährige ist im beruflichen Leben Fußpfleger mit eigener Praxis – und nun auch nach einer umfassenden Ausbildung der erste offiziell ernannte »Fachberater Seelsorge« im Kreis Herford – und das sogar ehrenamtlich.

Anderen zuhören statt selber löschen

Wollersheim ist außerdem Prädikant, seit vielen Jahren schon steht er dem Kirchenkreis und speziell der Gemeinde Herford-Mitte zur Verfügung. Aus dieser Tätigkeit heraus liegt ihm insbesondere die Seelsorge und die Hilfe der Menschen am Herzen. Durch seinen Sohn, der bei der Feuerwehr ist, kam der Kontakt zustande.

»Und weil ich wissen wollte, wie die Feuerwehr tickt, machte ich dann sogar eine Ausbildung zum Feuerwehrmann«, berichtet der Prädikant. Selbst aktiv beim Löschen oder Retten aber ist der Herforder nicht. »Begrifflichkeiten sollte ich dennoch kennen, wenn ich mit den Feuerwehrleuten dann ins Gespräch komme.« Das sei bei der Stadtfeuerwehr schon häufig passiert, zu schweren Einsätzen vor Ort sei er aber noch nicht gerufen worden. Man sei noch in der Aufbauphase und er stelle sich jetzt erst in allen Löschgruppen vor.

Koordinierung im Kreis

»Unsere Kollegen haben häufig Redebedarf, wenn sie von schwierigen Einsätzen kommen. Da ist es wichtig, dass da jemand ist, der die fachliche Kompetenz hat, ihnen zuhört und sie versteht«, berichtet Herfords Feuerwehrchef Michael Stiegelmeier. Die Sensibilität der Männer, dass sie sich das Geschehen von der Seele reden können, ohne gleich den Stempel eines »Weicheis« aufgedrückt zu bekommen, nimmt zu. »Da findet schon seit Längerem ein Umdenken statt«, sagt Vize-Kreisbrandmeister Bernd Kröger. Die Feuerwehrleute haben die Garantie, dass alles Gesagte unter vier Augen bleibt. »Das ist wie mit dem Beichtgeheimnis, da plaudert der Seelsorger ja auch nicht«, sagt der neue Fachberater des Kreises.

In dieser neuen Funktion übernimmt er nun auch koordinierende Aufgaben, zum Beispiel bei Großeinsätzen, bei denen oftmals mehrere Notfallseelsorger hinzugerufen werden. »Da muss einer den Hut aufhaben, sonst gibt’s Chaos«, meint Dieter Wollersheim.

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