Herrlicher Herforder Karneval: Närrische Polit-Analyse im Grün-Gold-Haus Jamaika, Groko und das Altstadtcenter

Herford (WB). »Es ist besser, falsch zu feiern, als gar nicht zu feiern«, sagt Karnevalspräsident Wolfgang Welscher in Anlehnung an Christian Lindner. Das neue Format des »Herrlichen Herforder Karnevals« dürfte allerdings genau richtig sein.

Von Thomas Meyer
Der Elferrat zieht als Piratenhorde fahnenschwenkend und unter großem Beifall in den Saal des Grün-Gold-Hauses ein. Hier steigt zum zweiten Mal der Herforder Karneval der katholischen Gemeinden.
Der Elferrat zieht als Piratenhorde fahnenschwenkend und unter großem Beifall in den Saal des Grün-Gold-Hauses ein. Hier steigt zum zweiten Mal der Herforder Karneval der katholischen Gemeinden. Foto: Thomas Meyer

Eng und kuschelig ging es zu am Samstagabend im Grün-Gold-Haus, wohin die Karnevalsjecken im vergangenen Jahr umgezogen waren. Aus Umgewöhnung ist schnell Selbstverständlichkeit geworden. Dass sich der Elferrat in Piratenkostümen und mit Pappgesichtern der Polit-Prominenz unter das Publikum mischt, statt hoch über der Sitzung zu thronen – umso besser. Dass die »Tanzfläche« der Gang und der Platz zwischen Bar und Büffet ist – warum nicht, wenn dafür umso mehr getanzt wird?

Auch das Programm unter dem Motto »Jamaika, GroKo, Kanzlerwahl – dann lieber gleich zum Karneval« überzeugte mit einer ausgewogenen Mischung aus mal politischer, mal flachwitziger Büttenrede, vielfältigen Tanzdarbietungen und Schunkelrunden.

Realsatire nicht zu toppen

Wolfgang Welscher und Stefan Schmedding warfen sich in der Bütt die Stichworte zu. »Die politische Realsatire derzeit können wir bei unseren närrischen Sondierungsgesprächen natürlich nicht toppen – wenn zum Beispiel Personen von Ämtern zurücktreten, die sie noch gar nicht innehatten«, nahm Welscher die aktuelle Bundespolitik aufs Korn.

Schmedding indes legte in Sachen Herforder Stadtverschönerung den Finger in die Wunde, flocht Bäckerstraße, Aa-Ufer und Altstadtcenter in Reimverse ein und beklagte die Lage der Herforder Brauerei, die er gleich auf »Sauerei« reimte.

Chili Kitten begeistern

Unbeschwerter waren dabei die sehr professionellen Auftritte der »Chili Kitten«, der Cheerleading-Meisterinnen aus Spenge, und der sympathisch unperfekt wirkende Auftritt der »Bonifettis« aus Eilshausen. Das Männerballett ist ein Urgestein des Herforder Karnevals, das die Sympathien der Jecken schon nach den ersten Takten für sich gewonnen hatte.

Auch die »Hitmixer« waren wieder mit an Bord, zeigten Pop-Hits in schrillen Verkleidungen in beachtlicher Schlagzahl. Stichwort Verkleidungen: Zwerge, Hippies, Harlekine, eine lebende Senftube und Donald Trump feierten gemeinsam – und waren damit die heimliche Hauptattraktion des Abends. Herford Helau!

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