Dracula-Musical nach Bram Stokers Klassiker begeistert 490 Zuschauer in Herford Ein blutrünstiger Graf im Theater

Herford (WB). Mit seinem Roman über die Gestalt des Grafen Dracula schaffte der Ire Bram Stoker eine der literarisch bekanntesten Figuren der Welt. Mehr als 400 Adaptionen entstanden seit seiner Erscheinung im Jahr 1847 – unter anderem ein Musical, das am Samstag im Theater Herford 490 Besucher in seinen Bann zog.

Von Christina Falke
Mina Murray (Angelina Biermann) kann sich der Magie Draculas (Lucius Wolter) nicht entziehen – und wird zur untoten Geliebten.
Mina Murray (Angelina Biermann) kann sich der Magie Draculas (Lucius Wolter) nicht entziehen – und wird zur untoten Geliebten. Foto: Christina Falke

Fasziniert von übermenschlichen Wesen

Der amerikanische Komponist Frank Wildhorn feierte schon Erfolge mit den Musicals »Jekyll & Hyde« und »Der Graf von Monte Christo«, bevor er sich dem Briefroman Bram Stokers annahm. 2001 in San Diego uraufführt, trat »Dracula« als Musical seinen Siegeszug an und füllt seitdem weltweit die Theaterhäuser.

Seit jeher sind Menschen fasziniert von übermenschlichen Wesen – vor allem Geschichten um Vampire kommen einfach nicht aus der Mode. Schließlich geht es bei diesen Geschichten auch um die Frage: »Wie kann der Mensch zu ewigem Leben gelangen?«.

Das Landestheater Detmold überzeugt mit großartigen Darstellern und einer stimmungsvollen Kulisse. Foto: Christina Falke

Auch Mina Murray (Angelina Biermann) kann sich der Magie Draculas (Lucius Wolter) nicht entziehen – sie verfällt ihm, wird ihm geradezu hörig. Dabei plant sie doch, den englischen Anwalt Jonathan Harker (Julian Culemann) zu heiraten...

Auftritt des Vampir-Jägers van Helsing

Harker reist ins rumänische Transsylvanien, um mit dem Grafen Dracula den Kauf eines Londoner Anwesens abzuschließen. Schon bald überkommt den jungen Mann in Gegenwart des Grafen ein unbehagliches Gefühl, denn sein Aufenthalt in dem Schloss gestaltet sich immer sonderbarer – vor allem, als das Bildnis von Harkers Verlobter Mina in dem Grafen die Erinnerung an dessen verstorbene Frau erweckt. Dracula setzt sich zum Ziel, die junge Frau zu seiner »untoten« Geliebten zu machen.

Nach einem Biss durch den Grafen in Harkers Hals kehrt dieser zurück in die britische Hauptstadt in Sorge um seine Verlobte. Dracula folgt ihm. Auf der Suche nach frischem Blut, wird Minas Freundin Lucy (Katrin Merkl) eines seiner Opfer. In dessen Bann geraten, verwandelt Dracula Lucy in einen Vampir.

Um Mina vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, mischt sich der Vampir-Jäger Professor van Helsing (Udo Eickelmann) ein und lässt die Verlobte des Anwalts fortan nicht mehr aus den Augen. Stets mit Pflock und Hammer bewaffnet tritt er gemeinsam mit anderen Männern den Kampf gegen den Blutsauger an.

Aber Mina ist bereit, dem Grafen in sein Reich zu folgen, als Dracula von ihr verlangt, sie möge seinem Leben in der Dunkelheit ein Ende bereiten...

Schattenspiele und Stummfilm-Ästhetik

Mit großartigen und überzeugenden Darstellern hat Lars Helmer für das Landestheater Detmold die Broadwayproduktion mit viel Liebe zum Detail in puncto Bühnenbild und Kostümen für die kleineren Bühnen des Landes inszeniert. Da wundert es nicht, dass die Darsteller vom Publikum abschließend mit Standing-Ovations geehrt wurden.

Inspiration fand Helmer dabei in der Dracula-Adaption »Nosferatu« des Bielefelder Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922. Nicht nur die langen Finger der Vampir-Figuren übernahm Helmer, sondern machte sich auch mit Text-Einblendungen auf einer Leinwand und Schattenspielen dahinter die Stummfilm-Ästhetik zu Nutze. Hintergrundbilder im Stil der frühen Zeit der Fotografie machten es dem Besucher leicht, der Handlung zu folgen. So kam die Geschichte mit Schlichtheit und völlig ohne Kitsch und Special-Effects aus.

Musikalisch wurde das Stück vom Symphonischen Orchester des Landestheaters Detmold unter der Leitung von Mathias Mönius begleitet. Dracula ist eine gelungene Musical-Inszenierung einer Romanvorlage – ein Augen- und Ohrenschmaus, dem man sich gerne auch ein zweites, drittes, viertes Mal hingeben mag.

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