Podiumsdiskussion ums Alkoholverbot: Betroffene wehren sich – mit Video Diskussion um Trinker-Treff: »Es muss einen Ort geben«

Herford (WB). Die Trinker-Treffs sorgen immer wieder für Konflikte in der Stadt. Im Kern der Debatte steht die Frage: Wem gehört der öffentliche Raum? Im Marta gab’s dazu am Freitag konträre Ansichten.

Von Jan Gruhn
Die Teilnehmer des Trinker-Treffs fordern ihren Platz ein: Im Marta haben Betroffene und öffentliche Verteter einen Tag lang darüber diskutiert, wem der öffentliche Raum eigentlich gehört – und wer darüber bestimmen darf.
Die Teilnehmer des Trinker-Treffs fordern ihren Platz ein: Im Marta haben Betroffene und öffentliche Verteter einen Tag lang darüber diskutiert, wem der öffentliche Raum eigentlich gehört – und wer darüber bestimmen darf. Foto: Jan Gruhn

Gleich zu Beginn der Veranstaltung, zu der Diakoniestiftung und Diakonisches Werk unter dem Titel »Martin meets Marta« eingeladen hatten, ein ungewöhnliches Bild: Eine Handvoll Menschen, die biertrinkend und rauchend vor einer Seitentür des Museums stehen.

Miteinander statt übereinander

 Eine Szene, die auch am Martinsgang hätte spielen können – zumindest, bis das Alkoholverbot verhängt wurde. »Es wurde viel übereinander gesprochen, aber wenig miteinander«, sagte Sozialberatungsdienstleiterin Bettina Schelkle, die zu den Initiatoren gehörte. Das hieß: öffentliche Vertreter sollten an diesem Tag mit Betroffenen in den Austausch kommen.

»Es muss einen Ort geben, an dem wir uns treffen können«, sagte zum Beispiel ein Mann, der nach eigenen Angaben regelmäßig einen der Trinker-Treffs besucht. Das Haus an der Hermannstraße, wo die Diakoniestiftung für diesen Zweck einen Tagesaufenthalt geschaffen hat, »kann doch keine dauerhafte Lösung sein.«

»Ein Schuppen, in dem wir uns treffen können«

Ob er denn die Sorgen der Anlieger nachvollziehen könne? »Ja, natürlich.« Die Treff-Teilnehmer seien zum Beispiel selber Schuld, wenn sie vom Martinsgang verbannt würden: »Schließlich ist da eine ganze Menge Scheiße passiert.« Sein Vorschlag: »Ein Schuppen, in dem wir uns treffen können.«

In mehreren Diskussionsrunden sprachen die etwa 50 Anwesenden zunächst darüber, wie es überhaupt zum Alkoholverbot gekommen war und wie es in Zukunft weitergehen kann. »Es ist das Problem deutlich geworden, dass entsteht, wenn in der Kommunalpolitik Entscheidungen gegen Bürger gefällt werden«, fasste Andreas Wolf, stellvertretender Leiter des Sozialberatungsdienstes, zusammen, »ohne das man ausreichend mit den Menschen – sowohl den ›Martins-Leuten‹ und den Geschäftsleuten – gesprochen hat.« Aus seiner Sicht habe die Debatte gezeigt, dass es Alternativen zum Alkoholverbot gegeben hätte.

»Wir werden das Problem hier nicht lösen«

»Wir werden das Problem hier nicht lösen«, hatte Bettina Schelkle bereits in ihrem Grußwort angekündigt. Aber eine Veranstaltung wie diese sei eine der seltenen Gelegenheiten, die Bedürfnisse des Gegenübers verstehen zu lernen und Vorbehalte abzubauen.

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