Carlo Dewe gibt Einblick in seine Sammlung mit Gruselfaktor Der Herr des Skurrilen

Herford (WB/jmg). Die Klingel schnarrt widerwillig. Durch das Milchglas der Haustür wird die hagere Gestalt von Hans-Joachim »Carlo« Dewe sichtbar. Der Rockakademie-Chef dreht den Schlüssel – und lädt zum Rundgang durch sein Kabinett der Skurrilität ein.

Hans-Joachim Dewe, besser bekannt als Carlo, gibt Einblick in sein Kabinett der Kuriositäten.
Hans-Joachim Dewe, besser bekannt als Carlo, gibt Einblick in sein Kabinett der Kuriositäten. Foto: Jan Gruhn

An der Wand des Flures, der hinter der Eingangstür liegt, wird eine alte Handpuppe von zwei düsteren Gemälden eingeklemmt. Der Lack splittert, das weiße Gesicht wirkt mitgenommen und leer. Der Bart ist zottig, die Zähne gebleckt. Unterhalb der Puppe tickt ein altes Uhrwerk. Die Front zeigt einen Mann mit Strohhut und dunkler Hautfarbe. Seine Augen kullern im Sekundentakt hin und her. Mancher Betrachter mag sich fragen: Wer hängt sich so etwas an die Wand?

John Lennon und Angela Davis

In dem Haus, an dessen Fassade die Gesichter von Ex-Beatle John Lennon, der US-amerikanischen Bürgerrechtlerin Angela Davis und Musiker Jimi Hendrix prangen, ist eigentlich die Rockakademie OWL zu Hause. Dort versuchen Dewe und einige Mitstreiter seit Jahren, jungen Nachwuchskünstlern der Region auf die musikalischen Beine zu helfen. Dazu gehört ein etwas in die Jahre gekommenes Aufnahmestudio.

Die eigentümliche Sammlung, die Dewe im Laufe der Zeit zusammengetragen hat, hängt laut Hausherr allerdings nicht damit zusammen – und irgendwie doch: Denn an der Wand entlang der Treppe hängen zum Teil großformatige Fotos aus den Zeiten, in denen der Herforder Jaguar-Club von sich reden machte und Popmusik mehr war als Kommerz. Dazwischen ein Porträt von Kommunist Erich Honecker – in direkter Nachbarschaft zu einer Darstellung von Jesus Christus. Musik, Politik, Religion. In diesem Eckhaus am Hellerweg 2 verschwimmen die Grenzen.

Halfter versteckt den Makel

Dewe öffnet eine Tür. »Das ist unser Jagdzimmer«, erklärt der Mann, der sein wahres Alter nicht preisgeben will. Ex-Praktikantin Florentine Steffen (20) aus Bielefeld setzt sich fürs Foto aufs abgewetzte Ledersofa. Hinter ihr hängen gehörnte Trophäen und Landschaftsbilder, wie sie ohne Probleme in einem betagten Schloss zu finden seien könnten. Auf einem Sessel liegt das Halfter einer Pistole. Die Waffe fehlt. »Das dient nur dazu, das Loch im Leder zu verdecken«, meint Dewe.

Zwischen all den kleinen und großen Raritäten, durch die sich der passionierte Hobbymusiker während der kleinen Führung tänzeln muss, blitzt immer wieder der Verfall auf. Aber auch Ehrfurcht vor vergangenen Zeiten. Nicht jedem zugänglich. Aber wunderbar skurril.

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