Kreisheimatverein macht sich für plattdeutsche Namen auf Ortsschildern stark Von Herwede bis Ränkhiusen

Herford (WB). Wie heißt Gohfeld auf Platt? Görbel, Gäobel oder Gäowel? Nicht leicht, sich auf eine Version zu einigen. Und doch hat der Kreisheimatverein eine Karte mit plattdeutschen Ortsnamen erarbeitet, die jetzt als Grundlage für neue Ortsschilder dienen soll.

Von Bärbel Hillebrenner
Die plattdeutsche Sprache droht auszusterben. Deshalb hat der Kreisheimatverein eine Karte mit 378 plattdeutschen Ortsnamen erarbeitet. Dabei mitgeholfen haben unter anderem (von links) Marianne Wippermann (Exter), Annegret Arnhölter (Vlotho), Kreisheimatpfleger Eckhard Möller, Christoph Mörstedt vom Kreisheimatverein und Gerhard Heining (Spenge).
Die plattdeutsche Sprache droht auszusterben. Deshalb hat der Kreisheimatverein eine Karte mit 378 plattdeutschen Ortsnamen erarbeitet. Dabei mitgeholfen haben unter anderem (von links) Marianne Wippermann (Exter), Annegret Arnhölter (Vlotho), Kreisheimatpfleger Eckhard Möller, Christoph Mörstedt vom Kreisheimatverein und Gerhard Heining (Spenge). Foto: Bärbel Hillebrenner

Plattdeutsch droht auszusterben. »Das wollen wir vom Kreisheimatverein verhindern. Die niederdeutsche Mundart muss lebendig gehalten werden, denn sie ist ein 500 Jahre altes Kulturgut«, sagt Kreisheimatpfleger Eckhard Möller. Durch VHS-Kurse, Wörterbücher und andere schriftliche Beiträge hätten die Vereinsmitglieder den Erhalt der Sprache schon seit einigen Jahren gepuscht. »Aber auf die Karte mit den plattdeutschen Ortsnamen sind wir besonders stolz«, so Möller. Sie sei in mühevoller Arbeit und nach vielen Diskussionen von einer Arbeitsgruppe des Vereins entwickelt worden, denn schriftliche Nachweise über die Mundart-Übersetzung der einzelnen Dorfnamen gebe es nicht.

Kreiskarte

Um den Erhalt der plattdeutschen Sprache zu unterstützen, dürfen die Kommunen nun auch im Kreis Herford auf ihren Ortseingangsschildern die plattdeutsche Übersetzung hinzufügen. Auf der Kreiskarte sind 378 übersetzte Ortsnamen. Die Mitglieder des Kreisheimatvereins haben sich auf folgende Versionen für die neun Städte und Gemeinden geeinigt: Buüne (Bünde), Hiddenhussen (Hiddenhausen), Herwede (Herford), Lienern (Kirchlengern), Loihne (Löhne), Ränkhiusen (Rödinghausen) und Vläode (Vlotho). Enger und Spenge haben keine plattdeutschen Namen, da erübrigt sich ein Zusatz. Die plattdeutsche Kreiskarte ist in der Geschäftsstelle des Kreisheimatvereins im Herforder Kreishaus, Amtshausstraße 3, erhältlich. Es gibt sie als Papierversion und sogar als sprechende Karte auf DVD. Beide Versionen kosten je 9,90 Euro. Bestellbar auch über:

Unterschiede nur in einzelnen Wörtern

»Wir haben dann mit vielen Menschen in den einzelnen Dörfern im Wittekindkreis gesprochen. Sie sollten ja wissen, wie der hochdeutsche Ortsname auf Plattdeutsch heißen muss«, erklärt Gerhard Heining aus Bardüttingdorf bei Spenge. Er ist wie auch Marianne Wippermann aus Exter noch ein Muttersprachler. »Wann ich Hochdeutsch gelernt habe, kann ich gar nicht sagen. Mit Plattdeutsch bin ich aufgewachsen«, berichtet Marianne Wippermann. Die 84-Jährige stammt von einem Bauernhof auf dem Löhner Wittel, wohnt heute in Exter. Wenn sie mit Heining plattdeutsch klönt, versteht ein Hochdeutsch-Sprachler kein Wort. Beide lachen. »Wir sprechen Platt sogar noch unterschiedlich, denn wir kommen aus verschiedenen Regionen des Wittekindkreises«, sagt Wippermann. Aber, so ergänzt Heining, die Unterschiede in der jeweiligen Mundart bestünden nur aus einzelnen Wörtern.

Keine einheitliche Schreibweise

Und doch hat es dazu geführt, dass viele Kompromisse bei der Ortsnamenkarte gemacht werden mussten. Denn auch eine einheitliche Schreibweise gibt es nicht. »Plattdeutsch wird gesprochen, nicht geschrieben. So haben wir uns bei der Schreibweise nach dem Klang gerichtet. Die Experten vor Ort waren uns dabei auch wieder eine große Hilfe«, sagt Christoph Mörstedt vom Kreisheimatverein. Er erinnert sich noch gut an das Platt seiner Großeltern, das er zwar verstanden, aber nicht sprechen konnte. »Und als mein Großvater dann später die Grammatik ins Hochdeutsche übernommen hatte, dachten alle, er könne nicht richtig Deutsch.« Deshalb empfiehlt er den Kommunen, die plattdeutschen Namen auf Ortsschildern so zu schreiben wie auf der Karte des Kreisheimatvereins.

Kommunen müssen entscheiden

Ob das aber überhaupt umgesetzt wird, ist völlig offen. Zwar hat die Landesregierung diese Möglichkeit nun erlaubt, aber die Kommunalpolitiker müssten dem Vorhaben mit einer Dreiviertel-Mehrheit zustimmen. Mörstedt: »In einigen Bundesländern können sie die regionaltypischen Zusatznamen schon auf den Ortstafeln lesen. Auch in Südeuropa ist das selbstverständlich.« Die Gemeinde Rödinghausen sei die einzige im Kreis, in der die Diskussion darüber weit fortgeschritten sei. In Herford habe man zuletzt nur die »Hansestadt« auf den gelben Ortstafeln hinzugefügt. Und in Gohfeld? Da könnte man das plattdeutsche »Gäowel« ergänzen – auf diesen Namen und diese Schreibweise haben sich die Heimatforscher geeinigt.

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