Jugendgefängnis an Eimterstraße für 15-Jährigen zuständig – mit Video Messerstecher aus Lünen kommt in die JVA Herford

Herford (WB).  Der 15-Jährige, der gestanden hat, am Dienstagmorgen im Flur der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Lünen (Kreis Unna) einen Mitschüler (14) erstochen zu haben , wird seine Untersuchungshaft demnächst im Herforder Jugendgefängnis verbringen. Das bestätigte Einrichtungsleiter Friedrich Waldmann auf Anfrage dieser Zeitung.

Von Moritz Winde
Im Herforder Gefängnis sitzen derzeit 270 jugendliche Straftäter ein. Platz ist für 355.
Im Herforder Gefängnis sitzen derzeit 270 jugendliche Straftäter ein. Platz ist für 355. Foto: Moritz Winde

Platz-Probleme in Iserlohn

Noch sitzt der Beschuldigte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Iserlohn. Die hat allerdings Platz-Probleme, weil sie derzeit die Insassinnen des Kölner Mädchenknastes aufnehmen muss, der umgebaut wird. Deshalb hat sich der Vollstreckungsplan Nordrhein-Westfalens – mit diesem regeln die Bundesländer für ihren jeweiligen Hoheitsbereich, welche Justizvollzugsanstalt für die Vollstreckung welcher Strafe zuständig ist – geändert.

Waldmann: »Die Zuständigkeit des Landgerichtsbezirks Dortmund fällt nun in unseren Aufgabenbereich. Seit Anfang des Jahres bekommen wir Häftlinge aus Iserlohn.«

Der 61-Jährige rechnet damit, dass der Messerstecher von Lünen in den nächsten Tagen nach Herford verlegt wird. Einen genauen Zeitpunkt konnte er noch nicht nennen. »Das kommt darauf an, wie lange die Behörden ihn zur Vernehmung da behalten.«

Vier Stunden Besuch pro Monat

Was wird mit dem 15-Jährigen passieren, wenn er hinter den dicken roten Backsteinmauern an der Eimterstraße eintrifft? Friedrich Waldmann sagt, dass man den Schüler nicht abhängig von der Tat – auch wenn dies menschlich schwer falle –, sondern völlig unvoreingenommen beurteilen werde.

»Wir werden uns unser eigenes Bild machen. Klar ist, er wird keine Sonderrolle bekommen. Wichtig für uns ist sein Verhalten. Ist er aggressiv? Ist er suizidgefährdet? Ist er vom Strafvollzug beeindruckt und verhält sich völlig unauffällig? Davon machen wir dann auch die Form der Unterbringung abhängig.«

Die JVA Herford wird zudem Kontakt zu den Eltern des minderjährigen Straftäters aufnehmen. Waldmann sagt, dass die Besuchszeiten genau geregelt seien. »Jeder Häftling hat monatlich Anspruch auf vier Stunden Besuch.« Natürlich nur, wenn er sich im Knast an die Regeln halte.

 Unterdessen fordert der Bielefelder Konfliktforscher Prof. Andreas Zick mehr Unterstützung für Schulen.  

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