Uwe Sartun (68) arbeitet an GEMA-Pendant für Tüftler Revolutioniert dieser Mann die Erfinder-Szene?

Herford (WB). Das Leben eines Erfinders ist nicht einfach. Besonders, wenn er nicht bei einem Unternehmen angestellt ist, sondern in der Freizeit seinen Einfällen nachgeht. Die Erfindung dann auch noch patentieren zu lassen, kann teuer werden. Uwe Sartun (68) hat da eine Idee.

Von Jan Gruhn
Ihm ist ein Licht aufgegangen: Für sein neuestes Projekt braucht Erfinder Uwe Sartun aber keine Werkstatt, sondern nur seinen Kopf. Der Herforder will sogenannte »freie Erfinder« unterstützen. Deshalb hat er eine Art Vertriebsgesellschaft für Ideen konzipiert.
Ihm ist ein Licht aufgegangen: Für sein neuestes Projekt braucht Erfinder Uwe Sartun aber keine Werkstatt, sondern nur seinen Kopf. Der Herforder will sogenannte »freie Erfinder« unterstützen. Deshalb hat er eine Art Vertriebsgesellschaft für Ideen konzipiert. Foto: Jan Gruhn

Der Rentner aus Herford hat selbst lange an findigen Gerätschaften getüftelt: 2011 zum Beispiel hat er eine Gehhilfe für Schwerbehinderte entwickelt, 2010 gab’s auf der Internationalen Erfindermesse eine Goldmedaille für eine Rollator-Variante. Doch schon seit Längerem hat der gelernte Kfz-Mechaniker es aufgegeben, neue Wunderdinge zu entwickeln.

Denn: Die notwendigen Patente, um die eigene Idee vor Raubkopierern zu schützen, kosten schlicht zu viel Geld. Mehrere Tausend Euro in Deutschland, noch mehr für europaweite Schutzrechte. »Ich habe viel Geld verloren«, bekennt der Tüftler. Großen finanziellen Gewinn hat er mit seinen Maschinen nicht gemacht. Resignation? »Ja, ein bisschen schon.«

Wo bleibt die Innovationskraft?

Große Erfindungen, so Sartuns Argument, könnten nur noch in Unternehmen gemacht werden. Wobei sie seiner Ansicht nach nicht groß sind: »Die Unternehmen wollen nur ihre Produkte weiterentwickeln.« Nur, damit am Ende das Geld stimmt. Und die Innovationskraft? Die bleibt auf der Strecke. Was es brauche, seien freie Erfinder, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen. »Und die Gesellschaft entscheidet, welche Ideen gut sind.« Doch das muss natürlich finanziert werden.

Kommentar

Es ist einfach, Tüftler wie Uwe Sartun zu belächeln: Ihre Erfindungen bringen ihnen meist kaum Geld ein. Deshalb will Sartun jetzt den Ideen-Markt revolutionieren. Er dürfte selbst wissen, dass dieses Unterfangen nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Aber es kann eine Debatte anstoßen. Darüber, warum technische Neuheiten und ihre kommerzielle Nutzung heute nahezu untrennbar verbunden scheinen. Oder ob es der Gesellschaft gut täte, wieder etwas freier über Problemlösungen nachdenken zu können. Ein Versuch ist es wert. Jan Gruhn

Deshalb hat Sartun ein Schema entwickelt, das »freie Erfinder« unterstützt und der Wirtschaft deren Ideen vermittelt. Die Unternehmen wiederum dürfen die Ideen aufgreifen und Produkte für den Handel entwickeln. Für jedes Produkt sollen dann 0,5 Prozent vom Verkaufspreis als »Erfindungsabgabe« anfallen.

»Das ist so ein bisschen wie bei der GEMA«, meint Sartun. Sie verwaltet die Rechte für musikalische Werke. Wird ein Titel öffentlich gespielt, streicht die Vermarktungsgesellschaft dafür Geld ein. Ähnlich soll es bei den Erfinder-Ideen funktionieren, so Sartun.

Erfinderclubs und Erfinder-Zentrale

Die Tüftler sollen in sogenannten Erfinderclubs organisiert sein. Die wiederum sind an die Erfinder-Zentrale angeschlossen – das Pendant zur GEMA. »Das wird dann natürlich alles versteuert«, meint Sartun. »Der Staat soll ja auch etwas davon haben.« Der Herforder, der auch im Erfinder-Club Paderborn tätig ist, weiß selbst, dass seine Idee erst mal nur eines ist – ein Konzept auf einem Stück DIN A4-Papier.

Aber er hat sich schon Feedback aus der Szene geholt: »Die meisten finden das gut.« Ziel seines Ansatz ist es, dem Erfinder den Druck zu nehmen: den Druck, die Idee mit Patenten zu schützen und gewinnbringend zu vermarkten.

»Freie Erfinder nicht unterschätzen«

Ob er selbst daran glaubt, dass sein Konzept Wirklichkeit wird? »Ich werde das wahrscheinlich nicht mehr erleben.« Aber wenn doch, könnte er sich vorstellen, wieder neue Geräte zu entwerfen. »Man darf die freien Erfinder nicht unterschätzen«, plädiert Sartun. Denn ohne sie fehle der Gesellschaft ein geballtes Stück Einfallsreichtum.

Aber er weiß auch, dass seine »soziale Erfindung« es auf dem Ideen-Markt ebenso schwer haben wird wie seine vorherigen Geistesblitze. »Aber alles beginnt mit einem Funken«, sagt Sartun – und legt Pathos in die Stimme. Sei es auch nur, um im Land der Dichter und Denker eine Debatte über die Kultur des Erfindens anzustoßen.

Kommentare

Gute Idee

Kann Herrn Sartun nur beipflichten. Genau das ist das Problem. Mit dieser Idee bekämen vielleicht auch viel mehr Leute Spaß am Erfinden.

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