Trotz Risiken: Mehrheit will Chance nutzen und das Fachhochschul-Projekt vorantreiben Rat fordert schärfere Kosten-Kontrolle

Herford (WB). Die Stadtverwaltung soll das Controlling beim Bildungscampus-Projekt zeitnah verbessern: Das ist eine Konsequenz der erheblichen Kostensteigerung bei der zweiten Ausbaustufe der Fachhochschule für Finanzen (FHF).

Von Peter Schelberg
Auf dem Exerzierplatz der Hammersmith-Kaserne will die Stadt 500 Container für Studenten der Fachhochschule für Finanzen aufstellen.
Auf dem Exerzierplatz der Hammersmith-Kaserne will die Stadt 500 Container für Studenten der Fachhochschule für Finanzen aufstellen. Foto: Stadt Herford

Einem entsprechenden Antrag der Grünen stimmte der Rat am Montag zu. Zuvor gab es deutliche Kritik an der erst am Freitag freigegebenen Beschlussvorlage mit der Kostenberechnung für die Container-Anlage auf dem Exerzierplatz der Hammersmith-Kaserne. CDU-Fraktionschef Wolfgang Rußkamp, der gegen die Behelfslösung stimmte, verwies auf Unwägbarkeiten bei der Kalkulation: »Wird es bei dieser Investition bleiben – oder wird es nachher sehr viel teurer?«

Bei öffentlichen Bauten sei es schon öfter zu Kostenexplosionen gekommen, nannte Rußkamp das Museum Marta als Beispiel: »Der Betrag ist gleich geblieben, aber aus D-Mark wurden Euro...« Genauigkeit müsse daher bei solchen Projekten vor Schnelligkeit gehen: »Wenn wir nur den Zeitdruck erhöhen, wird es teuer. Dann lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.«

Bärbel Müller (CDU) lehnte die Container mit Blick auf die finanziellen Unwägbarkeiten ebenfalls ab. Die Stadt habe in den kommenden Jahren auch »noch zwei bis drei Kindergärten vor der Brust«, deren Ausbau sich hinziehe: »Zur schönsten Stadt in OWL gehören für mich aber keine Kindergartengruppen in Turnhallen.«

Die Ablehnung des Container-Dorfes für FHF-Studenten wäre aus Sicht der SPD keine Alternative, stellte Fraktionschef Horst Heining klar: »Auch bei einem Nein entstünden Kosten, die zurzeit schwer zu bewerten sind. Und dann wären die Aussichten auch nicht gerade rosig.«

Stadtkämmerer Matthias Möllers sieht bei einer Unterdeckung von 2,5 Millionen Euro für die Container die Schmerzgrenze erreicht. Zugleich warnte er aber: »Wir wissen nicht, welche Kosten entstehen, wenn wir die Container-Lösung ablehnen.« Ein mögliches Szenario für diesen Fall: »Die zweite Stufe der FHF würde nicht kommen und die erste Stufe wäre nach acht Jahren beendet – dann würden wir beim Bildungscampus quasi wieder bei Null anfangen.«

Lothar Wienböker (Bürger für Herford) appellierte an den Rat: »Wir sollten jetzt nach vorn blicken und die Chancen nutzen.« Den Ausbau der Fachhochschul-Dependance in Herford wertete Herbert Even (Grüne) auch als Projekt der Wirtschaftsförderung, das der Stadt später auch zu höheren Einnahmen verhelfen könne.

Bürgermeister Tim Kähler erinnerte daran, dass im Aufsichtsrat der Stadtentwicklungsgesellschaft bereits im Dezember der Hinweis erfolgt sei, dass die Mehrkosten noch konkretisiert werden müssten. Die Entwicklung der Kasernen bedeute für die Stadt eine große Herausforderung – aber auch die Chance, zu steuern und städtebauliche Impulse zu geben. »Und wenn man steuern will, muss man als Stadt auch investieren.«

Der Verwaltungschef räumte Risiken ein und machte deutlich, dass auch er über die zusätzlichen Kosten nicht erfreut sei. Allerdings sei nach seiner Überzeugung »die Chance, in Herford mit über 500 Studierenden einen Hochschulstandort zu entwickeln, zurzeit immer noch der am wenigsten risikobehaftete Weg«.

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