Angeklagter (77) soll geistig Behinderten genötigt haben Mitbewohner zum Sex gedrängt?

Herford/Bad Oeynhausen (WB/jmg). Der ehemalige Bewohner (77) einer Einrichtung für unterstütztes Wohnen in Bad Oeynhausen muss sich seit Dienstag wegen sexueller Nötigung vor dem Herforder Amtsgericht verantworten.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Dem Mann wird vorgeworfen, sexuelle Handlungen an einem Mitbewohner gegen dessen Willen vorgenommen zu haben. Das Opfer soll aufgrund einer geistigen Behinderung nicht in der Lage gewesen sein, seine Ablehnung zu äußern.

Bei offener Badezimmertür beobachtet

Die Tat soll sich im April 2017 zugetragen haben. Laut Anklage habe der 77-Jährige seinen Mitbewohner gegen 21.30 Uhr bei offener Badezimmertür zunächst beim Toilettengang beobachtet. Dann sei er herangetreten und habe mit heruntergelassener Hose sein Geschlechtsteil präsentiert. Anschließend soll er seinen Mitbewohner minutenlang sexuell missbraucht haben.

Eine Zeugin (51), die am entsprechenden Abend als Nachtwache auf der Wohngruppe eingesetzt war, gibt an, in die Situation geplatzt zu sein. Daraufhin soll der Angeklagte seine Hose schnell hochgezogen haben. Auf Nachfrage der Mitarbeiterin habe er gesagt, dass nichts passiert sei.

Angeklagter gilt als »sexuell aktiv«

Der Mitbewohner allerdings habe angegeben, dass der 77-Jährige in ihn eingedrungen sei. Zudem sagte die Zeugin, dass der Beschuldigte etwas in der Hand gehabt habe. Was es gewesen sei, habe er nicht sagen wollen. Im Laufe der Befragung gab die Zeugin an, dass der Angeklagte in Besitz eines Dildos sei und als »sexuell aktiv« gelte.

Später sei sie mit dem Geschädigten zur Untersuchung in ein Krankenhaus gefahren. Von dort aus sei auch die Polizei verständigt worden. Über den Mitbewohner des Angeklagten sagte die Zeugin mit Blick auf dessen Möglichkeiten, sich zu äußern: »Er ist sehr eingeschränkt.«

Mittlerweile wohnt der Beschuldigte in einer anderen Einrichtung. Weil er sich nicht zu den Vorwürfen äußern wollte, setzte Richterin Blöbaum die Verhandlung vorerst aus. Im nächsten Schritt soll ein vernehmender Polizeibeamter befragt werden. Zudem soll ein Gutachten Anhaltspunkte liefern. Weil solche Gutachten allerdings viel Zeit in Anspruch nähmen, rechnet die Richterin erst zum Jahresende mit einer Fortsetzung.

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