Frauenauftakt im Kreishaus mit Prof. Dr. Ulrike Detmers »Die Arbeitswelt ist kein Ponyhof: Zeigen Sie Zähne!«

Herford (WB). Sie ist in Herford geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen: Für Prof. Dr. Ulrike Detmers war der Auftritt beim Frauenauftakt im Kreishaus ein Heimspiel. Über das herzliche Wiedersehen mit alten Bekannten freute sie sich besonders.

Von Bärbel Hillebrenner
Voller Saal im Kreishaus: Über die Einladung zum Frauenauftakt freute sich die gebürtige Herforderin Prof. Dr. Ulrike Detmers (Mitte). Begrüßt wurde sie von Landrat Jürgen Müller und der Gleichstellungsbeauftragten Simona Langenberg.
Voller Saal im Kreishaus: Über die Einladung zum Frauenauftakt freute sich die gebürtige Herforderin Prof. Dr. Ulrike Detmers (Mitte). Begrüßt wurde sie von Landrat Jürgen Müller und der Gleichstellungsbeauftragten Simona Langenberg. Foto: Bärbel Hillebrenner

Diese Begegnungen waren zwar ein willkommener Auftakt beim Frauenneujahrsempfang – das Referat zum Thema »Erfolgsfaktor Frau« aber war der eigentliche Grund, warum mehr als 300 Frauen aus dem Kreisgebiet nach Herford kamen. »Das zeigt, dass wir die richtige Einladung ausgesprochen haben«, sagte Landrat Jürgen Müller, erneut »Hahn im Korb«. Er ist der einzige Mann, der beim Frauenauftakt geduldet wird – ein anderer männlicher Gast musste gehen.

Dabei hätte er interessante Zahlen und Fakten von einer Referentin gehört, die sich selbst als Frauenrechtlerin bezeichnet, aber auch als Managerin und Professorin die Arbeitswelt und die Grabenkämpfe zwischen Männern und Frauen bestens kennt. Die weiß, dass sich im Laufe der Jahrzehnte manche Klischees geändert haben und sich andere bis heute halten. Die aus eigener Erfahrung darüber berichten konnte, dass man als BWL-Studentin Anfang der Siebziger noch eine Exotin war. »Der Frauenteil lag bei 5 Prozent, heute sind es 50«, sagte Ulrike Detmers. Und ihr Professor habe alle Studenten noch mit den Worten begrüßt: »Meine verehrten Herren!«

Bis heute aber habe sich viel Positives entwickelt: 49 Prozent aller Schüler seien Mädchen, ihr Anteil auf den Gymnasien sei höher als der der Jungen. Hochschulen würden zunehmend weiblicher. Ulrike Detmers: »Frauen sind die Bildungsträger der Gesellschaft. Aber die Arbeitswelt ist kein Ponyhof: Sie müssen die Zügel in die Hand nehmen, Ihre Zähne zeigen und sich durchbeißen!«, forderte sie die Frauen auf.

Aufgepasst bei der Partnerwahl!

In den leitenden Positionen jedoch gäbe es bei den Frauen immer noch einen Nachholbedarf. Aber auch hier sei eine interessante Entwicklung zu beobachten: »Männer, die in der Ehe mit der Partnerin auf Augenhöhe liegen und deren Kinder Töchter sind, fördern auch die Karriere ihrer Mitarbeiterinnen. Gucken Sie bei der Partnerwahl also genau hin, wie ihr künftiger Mann gestrickt ist«, riet Prof. Detmers. Sie hatte viele Lacher und zustimmenden Zwischenapplaus auf ihrer Seite.

Der »Erfolgsfaktor Frau« bezieht sich laut Prof. Detmers auch auf das Familienmanagement. Frau könne organisieren, planen, koordinieren, schuften, Kinder erziehen, Mann versorgen – und noch selbst zur Arbeit gehen. Detmers: »Familie ist kein ›Gedöns‹ und sicher kein ›Wickelvolontariat‹, wie es manche Männer mal behauptet haben.« Deshalb seien viele politische Entscheidungen zur Förderung von Vereinbarkeit Familie-Beruf richtig gewesen. Ulrike Detmers: »Aber wir sind noch lange nicht am Ende. Wir müssen noch eine Menge bewegen.«

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