Heiner Wemhöner sieht trotz aktueller Unruhen großes Potenzial »Geschäft mit dem Iran läuftan Deutschland vorbei«

Herford (WB). Seit vergangener Woche wird im Iran gegen die Regierung demons­triert. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt in Herford auch Unternehmer Heiner Wemhöner die Entwicklung in der islamischen Republik.

Von Peter Schelberg

Denn der Chef von Wemhöner Surface Technologies exportiert auch in den Iran, wo nach Aufhebung der Wirtschaftssanktionen Anfang 2016 große Nachfrage nach Erzeugnissen aus dem Westen bestand. »Das Land hat großen Bedarf an allen Dingen, die im Westen produziert werden – Flugzeuge, Autos und natürlich auch Maschinen«, betont Wemhöner, der selbst zweimal auf Messen in Teheran Verhandlungen führte.

Der vor zwei Jahren eingeleitete Neuaufbau des Landes in Vorderasien habe auch deutschen Maschinenbauern große Chancen eröffnet. »Die anfangs sehr positiven Tendenzen sind allerdings durch die politischen Unwägbarkeiten stark beeinträchtigt worden«, stellt Wemhöner fest. »So sind die Aktivitäten von US-Präsident Trump nicht gerade hilfreich. Alle Beteiligten sind vorsichtig geworden – vor zwei Jahren war mehr Euphorie spürbar. Die große Dynamik ist momentan nicht zu erkennen.«

Politik und Banken erschwerten die Zusammenarbeit: »Geld aus dem Iran haben Großbanken lange Zeit nicht angenommen, und wenn wir Maschinen dorthin liefern wollen, brauchen wir eine Genehmigung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.«

In der Stadt Rasht hat Wemhöner eine größere Anlage in Betrieb genommen. Für einen Zulieferer der Möbelindustrie im Iran, der vor Ort ein riesiges Werk baue, sollen die Herforder ebenfalls Maschinen liefern. Zurzeit warte man allerdings auf die weitere Abwicklung.

Inzwischen macht Wemhöner Surface Technologies auch von der Dependance im südchinesischen Changzhou aus Geschäfte mit Iran: »Das läuft wesentlich entspannter, auch politisch«, bemerkt der Unternehmer. »Vor wenigen Wochen hat unsere Firma in China einen neuen Auftrag mit iranischen Partnern abgeschlossen und einen weiteren in der Abwicklung«, berichtet Wemhöner.

»Die Iraner schwören auf deutsche Qualität. Alles, was aus Deutschland kommt, hat dort Priorität. Aber wenn es Probleme bei der Abwicklung von Aufträgen mit deutschen Herstellern gibt, weichen sie natürlich auch auf andere Anbieter wie China aus. Das Geschäft läuft deshalb momentan eher an Deutschland vorbei.«

Die Lage und die Entwicklung im 80 Millionen Einwohner zählenden Land sei schwer abzuschätzen, sagt Wemhöner. Der Anteil des Iran am Umsatz seines Unternehmens schätzt er auf etwa drei Prozent: »Wenn das wegbräche, wäre es bedauerlich, aber nicht bedrohlich für uns. Dennoch freuen wir uns natürlich über Aufträge.«

Der Herforder hat eine hohe Meinung von iranischen Unternehmern: »Sie sind harte und zähe Verhandlungspartner. Aber wenn man sich mit ihnen geeinigt hat, sind sie auch vertragstreu.« Iran birgt nach Wemhöners Einschätzung bei passenden Rahmenbedingungen nach wie vor ein riesiges Nachfragepotenzial für die deutsche Wirtschaft. Beeindruckt ist er auch von einem anderen Aspekt: »Es ist eine Volkswirtschaft mit extrem gut ausgebildeten jungen Menschen.«

Zum Vorwurf Ajatollah Chameneis, ausländische Mächte seien für die Unruhen verantwortlich, sagt Wemhöner: »In erster Linie ist natürlich der Staat für die Lage im Land verantwortlich – und er muss auch den sozial Schwachen eine Perspektive geben.«

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