Artistokraten verzaubern 700 Besucher im Stadttheater Herford Barocke Lebenslust

Herford (WB). »Willkommen im Lustschlösschen Herford«, begrüßte Kurfürst Otto der Große am Sonntag seine Familie am Hofe und fuhr mit einem Blick auf die 700 Besucher im Stadttheater fort: »Das einfache Volk hat es verdient, belustigt zu werden.« Zwei Stunden lang gelang den Artistokraten dies mit Bravour.

Im weißen Tüllrock mit LED-Lämpchen präsentiert Ziska Riva ihren gelungenen Spagat auf dem Drahtseil. Das Publikum hielt bei dieser Nummer den Atem an.
Im weißen Tüllrock mit LED-Lämpchen präsentiert Ziska Riva ihren gelungenen Spagat auf dem Drahtseil. Das Publikum hielt bei dieser Nummer den Atem an. Foto: Christina Falke

Schon vor der Vorführung mischten sich die Artisten, Zauberer und Clowns-Darsteller unter die Besucher im Foyer des Stadttheaters und verteilten Partyhütchen, blinkende Fingerringe, Tröten und Zucker-Armbänder an die Gäste. Da bekamen nicht nur die

Zuschauer schon richtig Lust auf das Bühnenprogramm, auch das an diesem Abend siebenköpfige Ensemble selbst war offensichtlich in bester Spiel-, Party- und Silvesterlaune.

Die Bühne des Theaters wandelte sich zu einem Varieté, bei dem der Funke der Begeisterung auf das Publikum vom ersten Moment an übersprang und es verzauberte. Die Zuschauer nahmen jede kleine sarkastische Spitze von Seiten des Kurfürsten mit Humor, kamen den Aufforderungen zu »Ahhh«- und »Ohhh«-Rufen nach und zollten immer wieder euphorischen Applaus.

Selten kam eine Silvester-Vorstellung so leicht, kurzweilig und überzeugend daher. Was nicht zuletzt den weißen Kostümen der Darsteller gezollt war – vor allem das mit LED-Lichtern verzierte Tüllkleid der Seiltänzerin fand große Begeisterung bei den Zuschauern.

Natürlich wurde hier nichts gezeigt, was man nicht schon einmal anderswo gesehen hat – Hula-Hoop-Reifen flogen durch die Luft, genauso wie Bälle und Leuchtkegel, Artistinnen balancierten über ein Seil und zeigten Kunststücke am Tuch. So war es schließlich die um dieses Akrobatik-Paket geschnürte große komödiantische Barock-Schleife, die die Vorführung des Berliner Ensembles einzigartig erscheinen ließ. Und dass die in der Rolle der Clowns tätigen Darsteller hier und da selbst über sich und ihr gerade gezeigtes Kunststück lachen mussten, verlieh dem Abend einen besonderen Charme, der mit einem Konfettiregen endete.

Barocke Lebensfreude unterhaltsam, ironisch und übertrieben inszeniert. Foto: Christina Falke

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