Herforder Kunstverein zeigt großformatige Ölbilder von Sebastian Heiner Action Painting mit der Fliegenklatsche

Herford (WB). Zwei Hände voll Ölfarbe klatscht Sebastian Heiner auf die Leinwand. Er nimmt den Strohbesen, den Spachtel, den Pinsel, verwirbelt, mischt, verkratzt die zähe Masse. Das Ergebnis dieser Atelier-Performance zeigt der Herforder Kunstverein ab Samstag im Pöppelmann-Haus.

Von Bärbel Hillebrenner
Die Ausstellung abstrakter, großformatiger und farbintensiver Ölbilder des Künstlers Sebastian Heiner (Mitte) wurde von Audrey Hörmann und David Riedel kuratiert.
Die Ausstellung abstrakter, großformatiger und farbintensiver Ölbilder des Künstlers Sebastian Heiner (Mitte) wurde von Audrey Hörmann und David Riedel kuratiert. Foto: Moritz Winde

Im Haus riecht es nach Öl. »Manche Bilder sind gerade erst getrocknet«, sagt Sebastian Heiner. Die Hängung seiner etwa 30 Großformate ist erledigt, am Pfeiler stehen noch eingepackte Arbeiten. »Ich habe mehr mitgenommen als Platz da ist«, sagt er. Platz ist genug da im offenen, lichtdurchfluteten Oesterlen-Bau. »Aber die farbintensiven Gemälde Heiners brauchen Raum«, erklärt David Riedel, Leiter des Böckstiegel-Hauses in Werther. Gemeinsam mit Audrey Hörmann vom Bielefelder Kunstverein hat er die Ausstellung kuratiert.

Von Figuration zur Abstraktion

Nach Anfängen mit figurativen Motiven lebt Sebastian Heiner nun seine abstrakte Phase: Der Berliner – Meisterschüler des bekannten Prof. Klaus Fußmann – zeigt in seinen kraftvollen, explosionsartigen Werken seine Emotionen. »Es ist für mich ein Akt der Bewegung, des Schwungs, des vollen Körpereinsatzes. Ein Ausdruck auch der Lebensfreude«, erklärt Heiner. Er arbeitet konzentriert an einem Bild, es soll möglichst in einem Arbeitsgang fertig werden. »Ich habe keine vorgefertigte Vorstellung im Kopf. Das Malen ist ein Prozess, ein Abenteuer, in das ich korrigierend eingreife.«

Seine Arbeit im Atelier ähnelt einer Performance, gleicht dem Action Painting. An Malgeräten ist ihm nichts zu schade. Selbst mit der Fliegenklatsche erzeugt er Strukturen und Wellen in der pastos aufgetragenen Ölschmiere. Ein leidenschaftlicher Maler mit dem Drang eines impulsiven, satten Farbauftrags. »Mit der Ölfarbe kann ich alles machen, sogar auf die Leinwand werfen. Manchmal erscheint es mir, als entsteht ein Sound, ein Klang. Für mich hat abstrakt zu arbeiten was mit Freiheit zu tun«, beschreibt der Künstler sein Handwerk.

»Clash« heißt Zusammenstoß

»Clash« heißt seine Ausstellung in Herford, übersetzt heißt das »Zusammenstoß« – und das kann für den Betrachter einiges bedeuten: das Spontane mit dem Kontrollierten; das fette, farbintensive Öl mit der schlichten Leinwand; asiatische Zurückhaltung mit der Aggression einer Metropole wie Shanghai. Dort hat Sebastian Heiner ein Jahr lang gelebt. Das Malen in dieser von Wachstum, Hektik, Menschenmassen gezeichneten Mega-City hat ihn geprägt. »Der Mensch schafft hier sein eigenes Chaos und lebt damit. Und als Fremder bist Du dann auf der Suche, tauchst irgendwann ein und gleitest dahin«, sagt Heiner. Auf diese Reise kann man sich auch in seinen Bildern begeben. Abstraktion ist dann die Freiheit individueller Interpretationen. Und findet der Betrachter keine, hat er immer noch die Freude an leuchtenden Farben und das Staunen darüber, was man mit einer Fliegenklatsche alles bewirken kann.

Edition von 25 Monotypien

Der Kunstverein zeigt die Bilder von Sebastian Heiner bis zum 2. April. Ein Katalog informiert über die Arbeit des Künstlers. Jeden Sonntag startet eine Führung um 15 Uhr. Der Maler selbst erklärt seine Kunst am 23. März ab 18.30 Uhr. Zur Ausstellung erscheint eine Edition von 25 Monotypien. Bei dieser Drucktechnik wird die Farbe auf eine Glasscheibe getragen, Papier aufgepresst und abgezogen. Jedes Blatt ist ein Unikat, handsigniert und von jedem zu kaufen.

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