Jürgen von der Lippe liest im Theater aus »Der König der Tiere« Meister des unnützen Wissens

Herford (WB). Haben Sie schon mal prokrastiniert? Keine Sorge, das ist nichts Unanständiges, auch wenn es aus dem neusten Programm Jürgen von der Lippes stammt. »Man kann auch Aufschieberitis dazu sagen«, erklärte der Comedian seinen amüsierten Zuhörern im ausverkauften Theater.

Von Ruth Matthes
Der Kabarettist, Autor und Showmaster (»Geld oder Liebe«, »So isses«) Jürgen von der Lippe liest aus seinem Buch »Der König der Tiere«. Beim Publikum im ausverkauften Herforder Stadttheater kam er mit seinen Geschichten und Glossen bestens an.
Der Kabarettist, Autor und Showmaster (»Geld oder Liebe«, »So isses«) Jürgen von der Lippe liest aus seinem Buch »Der König der Tiere«. Beim Publikum im ausverkauften Herforder Stadttheater kam er mit seinen Geschichten und Glossen bestens an. Foto: Ruth Matthes

Jürgen von der Lippe war eigentlich angetreten, aus seiner neuen Geschichten- und Glossensammlung »Der König der Tiere« vorzulesen. Wie wohl die meisten Zuschauer schon geahnt oder zumindest gehofft hatten, war es aber keine bloße Lesung, die der TV-Star auf der Bühne zelebrierte, sondern eine gelungene Mischung aus alten und neuen Witzen, kabarettistischen Einlagen und Textpassagen aus seinem Buch.

Die Requisiten entsprachen einer Lesung: grau ummantelter Tisch, schlichter Stuhl, Wasserglas. Dazu trug von der Lippe ein ungewohnt dezentes, graugemustertes Hemd. Im lebhaften Kontrast dazu stand die bunte Mischung an Themen, die er in seinen Texten behandelte: von der Vorliebe für das unerwartete Verwenden schwieriger Wörter, der Apostokese, über seine Aufklärung durch einen wenig sachkundigen Pater bis zu der von dem antiken Dichter Äsop inspirierten Titelgeschichte, bei der am Ende übrigens kein Tier zum König gewählt wird.

Makabere Kost

Er sinnierte über den Mangel an Trump-Perücken für den Kölner Karneval – keine Fiffi-Firma habe mit dessen Sieg gerechnet – und überlegte, was er ändern würde, wenn er Diktator wäre: Es gäbe nur 20 Gesetze: »Wer ein neues will, muss ein altes streichen.«

Makaber, aber trotzdem köstlich, die Geschichte über einen Mann, der sich im Beerdigungsinstitut »mal umschauen möchte« und schließlich beim Probeliegen im Sarg ein Ehepaar zu Tode erschreckt. In Hochform war von der Lippe, als er seine Vorliebe für Fremdwörter auslebte: Seine Zuhörer kennen sich jetzt besten aus bei der sexuellen Erregung durch das Hören unanständiger Witze (Moriaphilie). Klar, dass von der Lippe seinen Witzen diesen Effekt zutraut.

Drei Zugaben

Vor allem in der ersten Hälfte des Abends verursachte er bei einigen Zuhörer regelrechte Lachkrämpfe. In der zweiten waren die Reaktionen etwas verhaltener, der Aufbau der Gags ähnelte sich.

Auf Zurufe aus dem Publikum reagierte von der Lippe nicht so schlagfertig wie es wohl einige erwartet hätten. Doch das schien auch ein akustisches Problem zu sein. Für eine derartige Interaktion hätte der Raum wohl intimer sein müssen als das Stadttheater es ist. Immerhin drei Zugaben erklatschten sich die Zuschauer.

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