Nach Attacke in Herford will 33-Jähriger aus dem Senegal vor Europäischen Gerichtshof ziehen Haftstrafe für Rathaus-Randalierer

Herford (WB). Der 33-jährige Mann aus dem Senegal, der im Oktober im Rathaus randaliert und dabei Menschen verletzt hat, muss zwölf Monate hinter Gitter. Weil die Sozialprognose laut Amtsrichter Magnus Steinecker nicht positiv ausfällt, wird die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Von Hartmut Horstmann
Polizeischutz vor dem Rathaus im Oktober 2016: Der Randalierer, der vor allem mit der Ausländerbehörde aneinander geraten war, muss jetzt ins Gefängnis.
Polizeischutz vor dem Rathaus im Oktober 2016: Der Randalierer, der vor allem mit der Ausländerbehörde aneinander geraten war, muss jetzt ins Gefängnis. Foto: Moritz Winde

Sicherheitsdienst im Rathaus

Sieben Zeugen waren geladen, um aufzuklären, was in der Zeit vom 10. bis zum 19. Oktober passiert ist. Da gegen den Angeklagten ein Hausverbot ausgesprochen war, beging er beim Betreten des Rathauses Hausfriedensbruch. Vor allem auf die Drucker hatte er es abgesehen, von denen er einige umwarf und demolierte. Auf Aufforderungen, das Rathaus zu verlassen, reagierte er nicht, so dass die Polizei gerufen werden musste. Schließlich engagierte die Stadt einen Sicherheitsdienst – wobei es am 19. Oktober zu einer etwas heftigeren Auseinandersetzung mit dem 33-Jährigen kam.

Mit Pömpel geschlagen

Durch einen Seiteneingang war dieser ins Rathaus gelangt. Als zwei Bedienstete versuchen, ihn von einem Drucker wegzuziehen, kommt es zu einer Rangelei – die Folgen sind ein blaues Auge und eine gebrochene Rippe auf Seiten des Hausmeisters. Dann greifen die Sicherheitsleute ins Geschehen ein, versuchen sich zwischen die Parteien zu stellen. Doch der Mann aus dem Senegal greift zu einem im Rathaus befindlichen Baustellenpömpel und trifft mit der Unterseite den Kopf von Benjamin Gloger, einem der beiden Sicherheitsmänner.

Der kräftige Mann sprach vom »heftigsten Schlag in meinem Leben« und war nach eigenen Angaben »ziemlich benommen«. Nachdem er und sein Kollege Sebastian Feldkötter den Eindringling zu Boden geworfen hatten, wurde die Polizei verständigt, die ihn in Handschellen abführte.

Pladoyer für »milde Strafe«

Bemerkenswert an dem Prozess vor dem Amtsgericht war die Tatsache, dass sich der von einem Dolmetscher begleitete Angeklagte kaum zu den Vorwürfen äußerte. Es ging um Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Doch der 33-Jährige sprach lieber über seine Asylsituation, seinen Status als Nicht-Deutscher, der keine Papiere habe, und meinte am Ende sogar, eigentlich sei dies ein Fall für den Europäischen Gerichtshof.

Sein Pflichtverteidiger Sven Peters geht davon aus, dass sich das Geschehen so zugetragen hat, wie von den Zeugen geschildert. Aber er verwies auf die persönliche Situation seines Mandanten, dessen Asylantrag bereits 2013 abgelehnt worden war. Seitdem befinde er sich im Status der Duldung, könne also nicht arbeiten: »Das ist eine Sackgasse.« Zudem fehlten die Ausweisdokumente. Der Rechtsanwalt plädierte für eine »milde Strafe« und gab dem Angeklagten Folgendes mit auf den Weg: »Sie genießen unsere Gastfreundschaft und da können wir von Ihnen erwarten, dass Sie die Gesetze dieses Staates annehmen.«

Richter kennt Angeklagten bereits

Eine Einschätzung, die Staatsanwaltschaft und Gericht zweifelsohne teilen. Der Staatsanwalt forderte eine 15-monatige Haftstrafe. Das Gericht blieb mit dem Urteil von zwölf Monaten darunter. Richter Steinecker kannte den 33-Jährigen bereits aus zwei anderen Verhandlungen und attestierte ihm daher auch »Uneinsichtigkeit«: »Sie sagen, weil Sie kein Deutscher sind, müssten Sie sich auch nicht an deutsches Recht halten.«

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