Betreiber-Paar: »Betrieb läuft normal weiter« Stadthotel Pohlmann wird zwangsversteigert

Herford (WB). Das traditionsreiche Stadthotel Pohlmann steht vor der Zwangsversteigerung. Der Verkehrswert beträgt 900.000 Euro. Das Inhaber-Ehepaar Heike und Kai Pohlmann betont: »Wir sind nicht insolvent. Der Betrieb geht weiter.«

Von Moritz Winde
Heike und Kai Pohlmann führen das gleichnamige Stadthotel im Herzen von Herford. Jetzt wird die Immobilie zwangsversteigert. Das Betreiber-Paar hat die Zahlungen für den Kredit eingestellt, weil es seit Jahren Ärger mit der Bank gebe.
Heike und Kai Pohlmann führen das gleichnamige Stadthotel im Herzen von Herford. Jetzt wird die Immobilie zwangsversteigert. Das Betreiber-Paar hat die Zahlungen für den Kredit eingestellt, weil es seit Jahren Ärger mit der Bank gebe. Foto: Moritz Winde

Heike und Kai Pohlmann führen den Betrieb seit 20 Jahren. Sie wehren sich gegen Gerüchte, pleite zu sein. Die Auftragslage sei gut. 40 Vereine – von Politik bis Sport – seien regelmäßig zu Gast, sogar Weihnachtsfeiern für 2018 seien bereits gebucht, sagt der 48-Jährige.

»Wir haben die Zwangsversteigerung selbst provoziert.« Vor einigen Monaten habe er die Zahlung für seinen Kredit absichtlich eingestellt.

Vorwürfe gegen die Bank

Das Stadthotel Pohlmann liegt im Herzen von Herford. Foto: Moritz Winde

Kai Pohlmann erhebt schwere Vorwürfe gegen seine Hausbank. Die habe seiner Ehefrau und ihm von Anfang an Steine in den Weg gelegt. Zwischenzeitlich habe man ihnen sogar einen Unternehmensberater ins Haus geschickt. »Wir sollten Mittagstisch für fünf Euro anbieten. Dagegen habe ich mich gewehrt.« Und weiter: »Zum Schluss haben wir nicht einmal mehr die Jahreskontoauszüge bekommen. Bis ich erfuhr, dass unser Kredit buchhalterisch gar nicht mehr existiert.«

Kai Pohlmanns Vermutung: »Die Bank wollte uns los werden, weil es ihr wohl zu riskant war.« Dabei habe es nie eine »Kreditstörung« gegeben. »Das habe ich schriftlich.«

Der Sprecher der Hausbank sagte auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES, dass die Zwangsversteigerung ein ganz normaler Vorgang sei. »Bei Firmenkrediten ist das nicht anders als bei Privatkrediten. Wer seinen Zahlungsforderungen längere Zeit nicht nachkommt, dem wird der Kredit gekündigt.«

Hotelauslastung liegt bei 28 Prozent

Der Termin für die Versteigerung im Wege der Zwangsvollstreckung ist am Freitag, 17. März, um 10 Uhr im Amtsgericht Herford. Laut Wertgutachten verfügt das 1600 Quadratmeter große Drei-Sterne-Hotel über 37 Zimmer, 21 Einzel- und 15 Doppelzimmer sowie ein Appartement nebst Restaurant und Betreiberwohnung. Gebaut wurde das vierstöckige Haus an der Ecke Mindener Straße/Werrestraße im Jahr 1910. Es steht teilweise unter Denkmalschutz.

1990 fand die letzte umfassende Renovierung statt. Das Hotel sei in einem gepflegten, jedoch hinsichtlich der Ausstattung dem Jahr der Renovierung entsprechenden Zustand, heißt es im Gutachten. Die durchschnittliche Auslastung des Hotels liege über dem Branchendurchschnitt. Allerdings zeige sich bei Auswertung der Daten für 2015 eine weitere Abnahme der Übernachtungen, so dass der Umsatzermittlung eine durchschnittliche Auslastung von 28 Prozent zugrunde gelegt werde.

Im Jahr 2015 gab es schon einen Käufer

Der jahrelange Streit mit der Bank zehre an der Substanz, sagt Heike Pohlmann, die das Stadthotel am liebsten längst verkauft hätte. »Im Jahr 2015 hatten wir einen Käufer. Der notarielle Kaufvertrag war schon unterzeichnet. Nur die Bank hat nicht mitgespielt.«

Als Konsequenz aus der Entwicklung hat sich die 47-Jährige jetzt selbstständig gemacht und führt den Betrieb an der Mindener Straße 1. Ihr Mann ist angestellt. Zum Team gehören außerdem drei weitere Mitarbeiter.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.