Dresscode: Vorstellungen des Vorstands sind ungewöhnlich Auf dem Weg zur blauen Verwaltung?

Herford (WB). Mit dem Ansinnen, einen Dresscode für Bedienstete der Stadtverwaltung einzuführen, wagt sich der Herforder Verwaltungsvorstand offenbar auf Neuland. So sagt ein Sprecher des Deutschen Beamtenbundes, er wisse von keiner öffentlichen Verwaltung, in der es einen solchen Dresscode gebe. Etwas anderes seien Bedienstete in uniformierten Bereichen wie zum Beispiel Polizei oder Feuerwehr.

Von Hartmut Horstmann
Hellblaues Hemd zum Sakko – so stellt sich Herfords Bürgermeister die Kleiderordnung im Rathaus vor. Eine Krawatte schreibt der Dresscode aber nicht vor.
Hellblaues Hemd zum Sakko – so stellt sich Herfords Bürgermeister die Kleiderordnung im Rathaus vor. Eine Krawatte schreibt der Dresscode aber nicht vor. Foto: dpa

Allerdings, so der Sprecher weiter, gebe es hinsichtlich der Kleiderordnung keine Erhebungen: »Dass irgendwo ein Dresscode existiert, ist durchaus möglich.« Doch müsse eine solche Vorgabe mit dem Personalrat abgesprochen werden: »Sonst könnte ein Dresscode als Engriff in die Bürgerrechte verstanden werden.« Immerhin weiß Johanna Michalik, Pressesprecherin beim Beamtenbund auf NRW-Ebene, von Dienstvereinbarungen, in denen von einem »angemessenen Erscheinungsbild« die Rede ist.

Herford als Vorreiter?

Dunkelblauer Blazer oder blaues Sakko, dazu ein helles Oberteil, egal ob Hemd oder T-Shirt: So sieht die Vorstands-Vision einer blauen Verwaltung aus. Sie soll für Bereiche mit Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel Bürgerberatung oder Bürgermeister-Büro) gelten.

Könnte Herford in puncto Kleidung zum Vorreiter werden? Das HK erkundigte sich bei anderen Verwaltungen. In der Nachbarstadt Bielefeld ist ein Dresscode kein Thema, sagt Pressesprecher Uwe Borgstädt. Er sei seit fast 40 Jahren dabei und könne sich an keine derartigen Diskussionen erinnern. Nichtsdestotrotz sei klar, dass zu bestimmten Anlässen – zum Beispiel Empfang beim Oberbürgermeister – eine entsprechende Kleidung erwartet würde. Vorschriften existierten jedoch nicht. Borgstädt wirft die Frage auf, ob eine Kleiderordnung mit Farbvorgabe noch in die Zeit passt – und verweist auf die Ratssitzungen: »Vor 30 Jahren haben dort die Männer Anzug und Krawatte getragen. Heute sind manche eher hemdsärmelig gekleidet. Das wird nicht mehr so eng gesehen.«

Personalrat muss zustimmen

Auch Rückfragen bei den Pressestellen anderer Verwaltungen ergeben das gleiche Bild. »Bei uns kann jeder anziehen, was er will«, sagt Katharina Heß (Minden). Von Problemen wegen unangemessener Kleidung weiß sie nichts: »Das muss nicht verordnet werden.« Aus dem Bünder Rathaus und dem Herforder Kreishaus heißt es, der Gedanke eines Dresscodes spiele dort keine Rolle.

Auch im Herforder Rathaus muss der Personalrat zustimmen. Am Donnerstag, so Wolfgang Grauduss, werde dem Bürgermeister das Votum schriftlich mitgeteilt. Allerdings, auch wenn der Personalrat ablehne, müsse das keine endgültige Entscheidung sein: »Der Rat als ein vom Volk gewähltes Gremium könnte den Personalrat hier überstimmen.«

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