Personalrat berät über Kleiderordnung im Rathaus – Leser äußern sich Dresscode wird zum Stadtgespräch

Herford (WB/pjs). Sollte es für Bedienstete im Rathaus einen Dresscode geben? Diese Frage beschäftigt viele Leser. Der Personalrat der Stadt Herford mit Vorsitzendem Wolfgang Grauduss hat am Mittwoch über den Vorschlag des Bürgermeisters beraten, eine Kleiderordnung einzuführen. Die Entscheidung, so Grauduss, werde am 26. Januar bekannt gegeben. Im Rathaus hieß es am Montag, der Personalrat lehne die Pläne ab.

Die Diskussion um einen Dresscode im Herforder Rathaus geht weiter.
Die Diskussion um einen Dresscode im Herforder Rathaus geht weiter. Foto: Moritz Winde

Ex-Personalratsvorsitzender

»Verwundert die Augen gerieben« hat sich der frühere langjährige Personalratsvorsitzende Dieter Bremes, der sich gestern zu den Plänen äußerte: »Ich dachte, ich hätte den 1. April verschlafen. Oder hatte ich ein neues Förderprogramm der Landesregierung ›Ab ins Rathaus‹ übersehen?« Bremes fragt, ob die Stadt wieder finanzielle Spielräume habe: Denn bis zu drei Kleidungsteile pro Mitarbeiter würden benötigt, Reinigungsaufwendungen müssten kalkuliert werden. »Ist denn nicht mehr gesetzlich geregelt, wonach nur Dienst- und Schutzkleidung kostenfrei zur Verfügung gestellt werden muss? War eine bestimmte Farbe nicht schon einmal richtungsweisend?« Auf den zweiten Blick habe der Vorschlag »vielleicht einen Mainstream: Könnte man doch auf dem linken Ärmel der Blazer das Stadtwappen aufnähen, Dienstgrad- und Funktionskennzeichen mittels Schulterklappen anbringen. Die linke Brustseite böte genügend Platz für Orden- und Ehrenzeichen und diverse Ordensspangen. Schützenfestfeeling im Rathaus. OH! wie...ist Herford.«

Pro und contra

Ruth und Wolfgang Heinrich sind für die Einführung der einheitlichen Bekleidung: »Denn es ist ja wirklich manchmal so, dass man Mitarbeiter der Verwaltung nicht erkennt und denkt, es sind Besucher.« Eine Leserin, die nicht genannt werden möchte, lehnt den Dresscode ab. Denn auch die Verwaltung müsse mit der Mode gehen: »Dann müsste die Bekleidung alle zwei, drei Jahre erneuert werden. Und da nicht mal Geld für vernünftige Straßenbeleuchtung da ist, halte ich es für unmöglich, auch noch Dienstkleidung zu finanzieren. Wenn ich ins Rathaus gehe, sitzen die Mitarbeiter hinter dem Schreibtisch – da findet sich doch jeder zurecht. Namensschilder sind in Ordnung.«

Einige Anrufer befürchten eine Verschwendung von Steuergeldern – so Peter Schlür aus Spenge: »Ich dachte erst an Fake-News. Die Stadt ist hoch verschuldet – und dann soll noch zusätzlich Geld für Dienstkleidung ausgegeben werden?« Mit Blick auf die Begriffe »Dresscode« und »corporate identity« fragt Schlür: »Hat der Bürgermeister schon mal etwas von deutscher Amtssprache gehört?« Wolfgang Weibrecht schreibt: »Ein Dresscode im Rathaus ist weder in blau noch in anderer Farbe notwendig. Das vorgesehene Geld sollte umgehend in unsere Schulen gesteckt werden.«

Online-Stimmen

Auf der WESTFALEN-BLATT-Homepage merkt »Th. Niestroj« an: »Wie gut, dass es keine wichtigeren Themen im Rathaus gibt, als sich um die Kleiderordnung zu kümmern. Bravo an den Betriebsrat, der damit der Stadt auch erhebliche Kosten ge-/erspart hat.« Auch die Kosten für Namensschilder seien unnütz: »Einfach eine Hülle mit Magneten oder Sicherheitsnadel kaufen, Dienstausweis rein, anheften, fertig.« Zur Erkennbarkeit der Mitarbeiter meint »M. Albers«: »Ich erkenne sie daran, dass die auf der anderen Seite des Schreibtischs sitzen.«

Facebook-Kommentare

»Davon wird die Politik nicht besser«, ist Heini Leinewebern überzeugt. Carsten Arndt betont: »Ich finde, dass man es jedem schon selbst überlassen sollte. Wichtig ist doch nur, dass die gepflegt aussehen. Oder wird die Arbeit plötzlich dadurch besser, nur weil eine andere Kleidung getragen wird? Ich denke nicht.«

Sascha Ulrich schreibt: »Ich finde einen Mitarbeiter im T-Shirt oder einem Holzfällerhemd von vornherein sympathischer als jemanden, der zu businessmäßig aussieht. Ist bürgernäher und das will die Verwaltung doch sein. Zudem gibt es wichtigere Themen, um die sich unser Herr Bürgermeister kümmern sollte. Da ist ein Dresscode in meiner Prioritätenliste auf Platz 6293 zu finden. Herr Kähler, kümmern Sie sich lieber um Dinge wie den Trinkertreff, das Aussterben der Innenstadt.«

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