Anwohner kritisieren Schummerlicht – Stadt rechtfertigt Laternen-Umrüstung Streit um LED-Strahler

Herford (WB). Ohne Taschenlampe geht Rolf Gieselmann nach 17 Uhr nicht mehr vor die Tür. »Hier ist es jetzt zappenduster«, schimpft der Rentner, der die Laternen-Umrüstung auf LED nicht nachvollziehen kann.

Von Moritz Winde
Rolf Gieselmann leuchtet sich in der Humboldtstraße mit der Taschenlampe den Weg. Der 86-Jährige findet die neuen LED-Strahler zu dunkel.
Rolf Gieselmann leuchtet sich in der Humboldtstraße mit der Taschenlampe den Weg. Der 86-Jährige findet die neuen LED-Strahler zu dunkel. Foto: Moritz Winde

1100 Pilzleuchten ausgetauscht

Die Pilzleuchten haben in Herfords Anwohnerstraßen ausgedient. Foto: Winde

Seit Mitte 2015 werden in Herfords Anwohnerstraßen 1100 alte Pilzleuchten abgeschraubt und durch moderne Strahler ersetzt. Ende Januar soll die Maßnahme abgeschlossen sein, die sich die Verwaltung eine Million Euro kosten lässt. Schon nach zehn Jahren soll sich die Investition bezahlt machen. »80 Prozent Energiekosten sparen wir mit den neuen Lampen ein«, sagt Werner Mohrmann, der sich im Rathaus um die Straßenbeleuchtung kümmert.

Schattenseiten des Fortschritts

Doch der Fortschritt hat auch seine Schattenseiten – zumindest für Rolf Gieselmann und einige andere Anwohner der Humboldt­straße. Sie kritisieren den Lampen-Tausch. Nachdem in der kleinen Seitenstraße der Ahmser Straße seit ein paar Wochen LED-Technik leuchtet, ist der Frust groß. »Hier wohnen etliche alte Menschen. In der Nachbarschaft befindet sich das Altenheim. Viele trauen sich im Dunkeln nicht mehr nach draußen«, sagt der ehemalige Malermeister. Der 86-Jährige schildert das Problem: »Die neuen Strahler erzeugen nur punktuelles Schummerlicht. Dadurch bleiben viele Stellen finster. Vorher war die Ausleuchtung besser. Sie reichte sogar bis zur anderen Straßenseite.«

Die Steinplatten werden von den Wurzeln der Robinien hochgedrückt. Vor allem im Dunkeln kann dies zur Gefahr werden. Foto: Winde

Auf der anderen Straßenseite wohnt Lydia Haverkamp. Die 85-Jährige ist wegen ihrer Arthrose auf den Krückstock angewiesen. Wenn das Tageslicht verschwunden ist, bleibt sie inzwischen lieber im Haus – aus Angst zu stürzen und vor Überfällen. »Der Bürgersteig vor meiner Haustür ist nicht mehr zu erkennen. Das wäre aber zwingend notwendig. Schon deswegen, weil die Wurzeln der Robinien die Steinplatten hochdrücken. So sind gefährliche Stolperkanten entstanden.« Wiederholt habe sie sich im Rathaus beschwert – passiert sei wenig bis gar nichts. »Dabei pflegen wir Privatleute unsere Gärten ja auch. Warum kann man das dann nicht auch von der Stadt erwarten?«, fragt Lydia Haverkamp.

Strahler sollen nachjustiert werden

In puncto Licht hat Werner Mohrmann eine gute Nachricht für die Anwohner der Humboldt­straße. »Wir werden uns die Sache vor Ort anschauen. Es ist möglich, den Neigungswinkel der LED-Lampen zu verändern, so dass die Ausleuchtung der gesamten Straße verbessert wird.« Dann könnte Rolf Gieselmann bei seinen abendlichen Spaziergängen vielleicht auch auf seine Taschenlampe verzichten.

Kommentare

korrekte Einstellung

Daran sind nicht die LED Lichter an sich schuld sondern die falsche Einstellung bzw. werden dazu eben falsche Lichter und Lampen verwendet. LED Lampen kann man punktgenau einstellen. Dann wird die Straße ausgeleuchtet aber es gibt dann kein Licht welches zu den Häusern leuchtet. Wer schon mal vorher-nachher Bilder gesehen hat sieht da einen deutlichen unterschied. Natürlich muss man auch wissen wie man das Licht einstellt und welche Lichtmittel man nimmt. Am besten man lasst das in solch großen Rahmen von professionellen Firmen wie der Deutschen Lichtmiete machen.
Wenn es interessiert der soll sich mal das Infoheft licht.wissen Nr. 3 durchlesen, da geht es um die Beleuchtung von öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen.
Wenn man alles korrekt durchführt bietet die LED Technik große Vorteile, man muss sie nur einsetzen zu wissen.

Ein Lichtlein in der Nacht...

Atoz, lecker Dein Kommentar! Bist Du einer der die Dunkelheit sucht und braucht um z.B. bei anderen Leuten einsteigen zu können? Warte mal ab bis Du alt und grau bist, dann denkst Du sicher so wie der Herr mit der Taschenlampe und dann geht Dir sicher ein lichtlein auf! Wir leben leider nicht mehr in einer Welt in der die Dunkelheit wertvoll war, heute ist sie es nur noch für zwielichtiges Gesindel!

Lichtverschmutzung

Besser sämtliche Straßenbeleuchtung ganz abschalten, damit die Lichtverschmutzung der Umwelt durch künstliches Licht reduziert wird. Wer Licht benötigt, Fahrzeuge etwa, haben es selbst mitzuführen und einzuschalten. Das macht der Anwohner doch ganz richtig mit seiner Taschenlampe. Genau so sollte das laufen: Wer Licht benötigt, kann sich seinen Lichtkegel in seiner Umgebung schaffen; kein Grund, jede Straße hell zu erleuchten.

Tierwelt, schlecht Schlafende und Sternengucker werden es danken.

Ja, die neu modischen LED Straßenlaternen sind eine echte Katastrophe. In eigentlich allen Orten erleuchten sie nur den Himmel, anstatt die Strassen. Außerdem blenden sie, weil zugunsten des Stromsparens auf Milchglas verzichtet wird. Die Nachteile überwiegen auf jeden Fall. Allerdings wagt sich fast niemand über die politisch inszenierte Energiewende zu beschweren.

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