Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung in der Ehe »Lass das!« ist kein Nein

Herford (WB). Sie war 17, er neun Jahre älter. Und ihre Beziehung begann 2008 zunächst mit harmlosem Sex. Im Laufe der Jahre aber wurde mehr daraus: Drogen, Pornofilme und erotisches Spielzeug waren die Stimulanzien, die – heute getrennt lebenden – Eheleute probierten viel aus. So lange, bis die 26-Jährige nicht mehr wollte und sich sexuell genötigt fühlte.

Von Bärbel Hillebrenner

Das Ende war eine Anzeige wegen Vergewaltigung gegen ihren Mann. Das Urteil am Dienstag vor dem Herforder Amtsgericht: Freispruch!

Heraustreten aus der Opferrolle

Sein Sexualverhalten aus dem Schlafzimmer an die Öffentlichkeit zu zerren, ist keine leichte Sache. Und doch ist es notwendig, damit das Gericht eine neutrale Bewertung vornehmen kann. Der angeklagte 35-Jährige schilderte eher sachlich, wie das Paar im Bett miteinander umgegangen ist, experimentiert hat und wie an zwei Abenden in 2014 das Miteinander eskalierte. »Einvernehmlich« sei es dennoch zugegangen, sagte der Mann, »so wie immer.« Es habe häufig Rollenspiele mit Dominanzgebaren und Unterwerfung gegeben. »Das wollten wir beide«, berichtete der Angeklagte – und seine Frau bestätigte das.

Doch immer öfter fühlte sich die 26-Jährige nicht wohl dabei. Sie lebte zudem einen Alltag, in dem sie sich mit Ausbildung, Haushalt und dem mittlerweile geborenen Sohn überfordert fühlte. »Ich habe beim Sex nachgegeben, Vieles über mich ergehen lassen.« Aber irgendwann wollte sie nicht mehr Opfer sein.

Ehefrau will keine Vergeltung

An zwei Abenden habe sie »Lass das!, Hör auf!, Das tut weh« gesagt, ihren Mann aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen. »Er hat aber wie im Wahn weitergemacht. Mich festgehalten, am Kopf gerissen«, berichtete die Frau unter Tränen. Sie trennte sich von ihm, ging aber wieder zurück – es änderte sich nichts. Neue Trennung. Dann lernte sie einen Anderen kennen. Der wiederum soll den Angeklagten gestalkt und bedroht haben. Es kam zur Anzeige. Zwei Tage später und fast ein Jahr nach den sexuellen Übergriffen zeigte sie ihren Mann an.

Das Gericht war einhellig der Meinung, dass es der Ehefrau mit ihrer Anzeige nicht um Vergeltung ging. »Wir glauben Ihnen die Schilderungen, aber die Schuld des Angeklagten ist nicht einwandfrei nachzuweisen«, erklärte Richterin Alea Blöbaum dem Opfer. Schwierig sei die Bewertung auch deshalb, weil die Frau nicht deutlich und konkret genug »Nein!« oder »Stopp!« gerufen und zuvor diverse Sexspiele mitgemacht habe.

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