»Pokémon Go«: Viele Jugendliche sind mit ihren Smartphones in der Innenstadt unterwegs Heute schon ein Monster gefangen?

Herford(WB). Die Ferien haben begonnen. Und bereits jetzt prägt sich ein Bild ein, das für den Sommer des Jahres 2016 stehen wird: Es zeigt Jugendliche, die gebannt auf ihr Handy schauen – auf der Suche nach kleinen Monstern, die auf dem Display angezeigt werden.

Von Hartmut Horstmann
Losgehen und kleine Monster einfangen: Auf dem Display von Karl Nölker ist ein Wegenetz zu sehen, das er als virtueller Pokémon-Trainer beschreitet. Kaspar Schlattmeier (rechts) zeigt einen der Poké-Stops – die Pylonen am Bergertor.
Losgehen und kleine Monster einfangen: Auf dem Display von Karl Nölker ist ein Wegenetz zu sehen, das er als virtueller Pokémon-Trainer beschreitet. Kaspar Schlattmeier (rechts) zeigt einen der Poké-Stops – die Pylonen am Bergertor. Foto: Moritz Winde

Vorsicht bei der Monsterjagd

»  Pokémon Go« heißt das Spiel, das vor allem junge Menschen mit ihrem Handy an die frische Luft treibt. Und weil das unentwegte Starren auf den kleinen Bildschirm dazu führen kann, dass die Monstersucher die wirkliche Außenwelt vergessen, ist es auch schon zu Unfällen gekommen.

Zu denen, die um diese Gefahr wissen, zählen die beiden Freunde Kaspar Schlattmeier und Karl Nölker. »Pokémon Go« solle man wirklich nur spielen, wenn man gerade nichts anderes zu tun habe, sagt Kaspar, der mit einem Rad unterwegs ist. Dabei schaue er aber nicht während des Fahrens in der Innenstadt auf sein Gerät, sondern nur dann, wenn er sein Rad schiebe. Kaum hat er’s ausgesprochen, erscheint ein kleines gelbes Monster auf dem Display seines Handys – im Hintergrund ist sein Freund Karl zu sehen.

Kein Wirklichkeitsverlust

Diese Verbindung zeigt, was an »Pokémon Go« besonders fasziniert: Es lässt die reale und die virtuelle Welt ineinander übergehen. Auch hier warnen Medienkritiker immer mal wieder vor angeblich drohendem Wirklichkeitsverlust – eine Gefahr, von der zumindest Karl und Kaspar nicht bedroht sind. »Eine halbe Stunde am Tag oder vielleicht auch mal ne ganze Stunde« gehen sie nach eigenen Angaben auf Pokémon-Suche. Weit höher im Kurs rangieren reale Treffen mit Freunden oder Fußballspielen.

Einem Navigationsgerät vergleichbar

Aber beide wissen auch von Bekannten, die fast 24 Stunden am Tag mit dem Spiel beschäftigt sind. Denn es bietet keinen Endpunkt. Erfolgreiche Spieler klettern von Stufe zu Stufe, verbessern pausenlos ihr Level, erreichen aber nie ein endgültiges Ziel.

Millionen von Menschen weltweit haben die Spiele-App mittlerweile auf ihr Handy heruntergeladen. Ist das Spiel samt Figur installiert, stellt sich dem Spieler ein Wegenetz dar. Weiterhin ist ein so genannter Pokémon-Trainer zu sehen – er ist die virtuelle Variante des Handy-Nutzers. Autofahrer mögen sich an die Anzeige eines Navigationsgerätes erinnert fühlen.

Warnung vor Taschendieben

An der Berliner Straße verändert sich das Bild auf Karls Handy plötzlich – ein Pokémon zeigt sich! An die Stelle des angedeuteten Wegenetzes tritt der reale Hintergrund, vor ihm taucht das Monster auf. Mit Pokébällen gelingt es dem 13-Jährigen, das Objekt der Begierde einzufangen – dieses trägt den Namen Rattikarl.

Für das Einfangen eines jeden Monsters gibt es Punkte. Sind genügend zusammen, erreicht der Spieler das nächste Level. Ab dem fünften Level kann er sich an bestimmten Punkten in der Innenstadt (Arenen) mit anderen Spielern zum Kampf treffen. In Herford gebe es eine solche Arena zum Beispiel am Stadtmodell auf dem Münsterkirchplatz, weiß Kaspar. Die damit verbundenen Warnungen kennt der 13-Jährige. Denn Taschendiebe könnten Orte, an denen Menschen besonders unachtsam sind, gezielt aufsuchen.

Aufladestationen in der Stadt

Zu den jeweiligen lokalen Besonderheiten des weltweiten Spiels zählen die »Poké-Stops« – unter anderem bekannte Stellen wie die Pylonen am Bergertor oder das Münster. Deren Bilder erscheinen als kleine Symbole auf dem Bildschirm, dem Spielenden dienen sie als Aufladestation. »So bekommt man hier kostenlos neue Poké-Bälle«, erklärt einer der beiden Schüler. Während er sein Smartphone auflädt, springt dem anderen ein Pokémon aufs Display. Jetzt gilt es, unverzüglich zu handeln.

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