Sanierung am Turm von St. Johannis Kirchenkreuz drohte zu fallen

Herford(WB). Morsches Holz, rostiges Eisen, lockere Schrauben: Das Kreuz auf dem Turm der Johanniskirche hat in 100 Jahren viele Stürme aushalten müssen – nun saß es nicht mehr fest auf der Spitze. Aus luftigen 72 Metern ist es mit einem Spezialkran abgebaut worden.

Von Bärbel Hillebrenner
In schwindelerregender Höhe schrauben zwei Dachdecker das Kreuz des St.-Johannis-Kirchturms aus der Verankerung, damit es mit dem Kran heruntergeholt werden kann.
In schwindelerregender Höhe schrauben zwei Dachdecker das Kreuz des St.-Johannis-Kirchturms aus der Verankerung, damit es mit dem Kran heruntergeholt werden kann.

Früher Morgen 6 Uhr: Das Kranunternehmen Bracht rückt an, verlegt zwischen Frühherrenhaus und Johanniskirche dicke Bodenplatten. »Der tonnenschwere Kran darf ja nicht wackeln. Der Ausleger muss etwa 80 Meter ausgefahren werden und die schwere Fracht halten«, berichtet Kranfahrer Gregor Laackmann. Mit seinem Kollegen Markus Schnittker bereitet er den spektakulären Schwebetransport von der Turmspitze in den Pfarrgarten vor. Beide haben langjährige Erfahrung, sind ein eingespieltes Team. Und trotzdem: »Kirchenkreuze holt man nicht jeden Tag vom Turm, das ist auch für uns eine Herausforderung«, sagt Laackmann.

Dachdecker sind schwindelfrei

Eingespielt sind auch Franz-Josef Skrzipek und Piotr Koloch. Die Dachdecker haben eine Woche lang die Abmontage des historischen Kreuzes mit dem Wetterhahn vorbereitet. Das Gerüst auf dem obersten Turmende sitzt fest, die beiden legen sich die Sicherheitsgurte um. »Man muss schon schwindelfrei sein, denn da oben ist es windig und es gibt nur eine schmale Trittfläche«, sagt Piotr Koloch. Der 24-Jährige macht einen völlig coolen Eindruck. Er lacht: »Ich bin das gewohnt und steige nicht zum ersten Mal einer Kirche aufs Dach.«

Beide Teams geben das Startzeichen für den Abflug. Schnell ist das sechs Meter hohe und drei Meter breite Kreuz aus der Verankerung gezogen – an gelben Seilen schwebt es über den Dächern rund um den Neuen Markt. Per Walkie-Talkie sind die Kranführer miteinander verbunden, Laackmann instruiert seinen Kollegen. »Ein Stück nach rechts, Vorsicht Baum, langsam runter!«

Komplett-Sanierung geplant

Das 470 Kilo schwere Kirchturmkreuz landet sanft im Pfarrgarten der Johanniskirche. Laackmann: »Sechs Stunden Kranauf- und -abbau für eine halbe Stunde Transport durch die Luft!« Das christliche Symbol wird nun untersucht und komplett saniert.

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