Stadtführung zur jüdischen Geschichte – Gräber dürfen nicht eingeebnet werden Ältester jüdischer Friedhof in Westfalen

Herford(WB). An einen Ort, der der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich ist, führt Stadtarchivar Christoph Laue. Am Sonntag, 17. Juli, informiert er über den jüdischen Friedhof.

Von Hartmut Horstmann
Christoph Laue führt über den Friedhof an der Friedhofstraße. Es handelt sich um den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhof in Westfalen. Weil die Gräber auf ewige Dauer angelegt sind, haben viele jüdische Friedhöfe Platzprobleme.
Christoph Laue führt über den Friedhof an der Friedhofstraße. Es handelt sich um den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhof in Westfalen. Weil die Gräber auf ewige Dauer angelegt sind, haben viele jüdische Friedhöfe Platzprobleme. Foto: Hartmut Horstmann

Die Führung beginnt um 16.30 Uhr und gehört zum Programm des Orgelsommers. Angesichts seiner bisherigen Erfahrungen mit Rundgängen zum jüdischen Leben geht Christoph Laue davon aus, dass das Angebot auf großes Interesse stößt. Dabei macht er darauf aufmerksam, dass Männer beim Friedhofsbesuch eine Kopfbedeckung tragen müssen.

Ein Haus der Ewigkeit

Wer an jüdische Friedhöfe denkt, denkt an Flächen mit sehr vielen Grabsteinen. Oft stehen diese eng und scheinbar wild durcheinander. Christoph Laue nennt hier das Beispiel aus Prag. Dass die Enge in Zukunft eher noch zunehmen wird, ist Ausdruck des jüdischen Selbstverständnisses. Für die Juden sei der Friedhof ein »Haus der Ewigkeit«, betont der Stadtführer. Dies bedeute, dass die Gräber als heilige Orte eine ewige Ruhe garantierten und nicht nach einer bestimmten Laufzeit eingeebnet werden dürften – ein Unterschied zu christlichen oder städtischen Friedhöfen.

Friedhof muss erweitert werden

Wenn keine Grabstellen verschwinden dürfen, kommt es irgendwann zu Platzproblemen. In extremen Fällen wie dem Friedhof in Prag sind die Toten übereinander beerdigt worden. Für Juden unzulässig sei eine Urnenbestattung, fügt Laue hinzu. Daher werde auch der Herforder Friedhof in absehbarer Zeit erweitert werden müssen. Zweimal sei er bisher ausgeweitet worden, zuletzt 1908.

Älstester Grabstein von 1679

Der älteste datierte Grabstein stammt aus dem Jahr 1679. Bei der Anlage an der Friedhofstraße handelt es sich damit um den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhof in Westfalen. Ziel der Nazis war es, ihn im Zuge eines Straßenbaus verschwinden zu lassen. Doch der Friedhof überdauerte die NS-Zeit.

Etwa 250 Grabstellen befinden sich dort. Einige Steine beinhalten Hinweise auf die Verfolgung durch die Nazis. Allerdings seien das Ausnahmen, erklärt Laue. Denn für den jüdischen Glauben gehören Grab und Person zusammen. Ein Gedenkstein wie der der Familie Hecht, der auf die Deportation aufmerksam mache, sei unüblich: »Die Menschen sind an der Stelle ja nicht beerdigt worden.«

Einzelne Gräber drücken Wohlstand aus

Betont einfach gehalten sind die ältesten Grabsteine. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu Veränderungen, so drückt die Gestaltung einzelner Gräber den wachsenden Wohlstand einiger Familien aus. Beispiele liefern die Bankiersfamilie Ganz oder die Unternehmerfamilie Elsbach. Eine große Besonderheit stellt das Grab von Hermann und Elise Elsbach dar. Auf dem Stein ist eine Figur zu sehen. Menschliche Abbildungen seien auf jüdischen Friedhöfen eigentlich nicht erlaubt, so Laue. Zu weiteren Veränderungen in der Grabgestaltung kam es in jüngster Zeit. Diese hätten mit der Zuwanderung jüdischer Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion zu tun.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.