Nach Fund am Westring: Vor 36 Jahren wurde ein Blindgänger in Elverdissen entdeckt Wie die Bombe ins Museum kam

Herford (WB). Die vor 14 Tagen am Westring entschärfte Fliegerbombe ist mittlerweile in einem Munitionszwischenlage in Ringelstein (Kreis Paderborn) eingelagert. Anders verhält es sich mit jener US-Bombe, die 1980 in Elverdissen gefunden worden ist. Sie befindet sich, entschärft und restauriert, im Depot der stadtgeschichtlichen Sammlung.

Von Ralf Meistes
Von Zerstörung gekennzeichnet ist der Gehrenberg. Herforder Kinder spielen zwischen den Trümmern.
Von Zerstörung gekennzeichnet ist der Gehrenberg. Herforder Kinder spielen zwischen den Trümmern. Foto: Stadtarchiv Herford

Briten helfen bei Restaurierung

Sonja Langkafel, Leiterin des Städtischen Museums, kennt sogar das Abwurfdatum der 226-Kilo-Bombe, die vor 36 Jahren in Elverdissen gefunden worden ist: »26. November 1944. Nachdem die Bombe entschärft worden ist, wurde sie durch die Herforder Feuerwehr restauriert. Im Übrigen mit Unterstützung der Britischen Streitkräfte«, betont Langkafel.

Zwei Jahre später, 1982, habe das Museum die Bombe dann geschenkt bekommen. Heute wird sie bei Führungen durch das Depot an der Straße Auf der Freiheit noch präsentiert.

Über den Verbleib der 250-Kilo-Bombe, die am 29. Juni am Westring entschärft worden ist, weiß Karl-Friedrich Schröder genauestens Bescheid. Er ist Technischer Einsatzleiter beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Arnsberg. Seine Mitarbeiter sind für die Entschärfung von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg in den Bezirken Arnsberg, Detmold und Münster zuständig.

Zur Entsorgung nach Hünxe

»Die in Herford gefundene US-Bombe lagert derzeit in Ringelstein. Wir verfügen insgesamt über drei Munitionszwischenlager«, sagt Schröder. In wenigen Wochen wird die Bombe vom Westring zum Munitionszerlegungsbetrieb nach Hünxe (Kreis Wesel) gebracht. »Dort wird die Bombe aufgeschnitten, der Sprengstoff herausgelöst und der Rest der Bombe zerschrottet«, sagt Schröder. Der Sprengstoff werde fachmännisch verbrannt.

Beide Bomben sind im November/Dezember 1944 über Herford abgeworfen worden. In diesen Tagen ereignet sich auch der folgenschwerste Angriff aus der Luft, weiß Stadtführer Mathias Polster. Am 6. November 1944 explodierten zwei Luftminen in der Innenstadt und zerstörten mindestens zwölf Häuser in dem Bereich Rennstraße, Johannisstraße und Lessingstraße. 30 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Augenzeugen berichten

»Es gab aber keine Flächenbombardements in Herford. Die Angriffe trafen zu verschiedenen Zeiten ganz verschiedene Ziele«, erklärt Polster. Der Stadtführer hat sich in den vergangenen Jahren auch mit dieser Zeit der Herforder Stadtgeschichte beschäftigt und Gespräche mit Zeitzeugen geführt. »Es gibt zwei Ereignisse, die der älteren Generation in Herford in lebhafter Erinnerung sind. Das eine ist das Hochwasser von 1946. Das andere ist die Zeit, als Herford bombardiert worden ist.«

Die ersten Angriffe seien bereits im Dezember 1940 aufgezeichnet worden. Im März 1945 seien die letzten Bomben auf die Werrestadt gefallen. Zwei Wochen später waren die Amerikaner in der Stadt. Die Bilanz des Bombardements: knapp 40 Prozent der Häuser waren leicht beschädigt. Etwa 320 Häuser sollen in jenen Jahren total zerstört worden sein.

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