Wetterfrosch Heinrich Wulff: »Das ist kein normaler Sommer« Regen-Rekord im Juni

Von Moritz Winde
Herfords Wetterfrosch Heinrich Wulff (76) lässt es in seinem Garten symbolisch regnen. Der Monat Juni war mit 196 Millimetern pro Quadratmeter so nass wie noch nie.
Herfords Wetterfrosch Heinrich Wulff (76) lässt es in seinem Garten symbolisch regnen. Der Monat Juni war mit 196 Millimetern pro Quadratmeter so nass wie noch nie. Foto: Moritz Winde

Anfänge des Deutschen Wetterdienstes

Seit drei Generationen zeichnet Familie Wulff nun schon das Wetter in Herford auf. »Ich bin da reingeboren worden«, sagt Heinrich Wulff, der die Aufgabe von seinem Papa Heinrich übernommen hat. Der wiederum war Nachfolger seines Vaters – ebenfalls ein Heinrich. Als Rektor der Bürgerschule an der Mindener Straße hatte dieser vom Königreich Preußen den Auftrag erhalten, das Klima zu beobachten und Tag für Tag Temperatur und Niederschlagsmenge zu notieren. Es waren die Anfänge des Deutschen Wetterdienstes.

Aufzeichnungen gehen bis ins Jahr 1891 zurück

Zurück ins Hier und Jetzt: Der heutige Wetterfrosch – sozusagen Heinrich III. – hat in seinen Unterlagen von anno dazumal nachgeblättert, die bis zum Jahr 1891 zurückgehen. Seine Erkenntnis: »Diese Regenmenge hat es in Herford in einem Juni noch nicht gegeben. Von einem normalen Sommer kann wirklich keine Rede sein.« Durchschnittlich fallen im Juni 90 Millimeter Regen, »jetzt haben wir mehr als das Doppelte«.

Extrem viele Unwetter im Juni

Vor allem die vielen Unwetter sind für dieses Extrem verantwortlich. In den vergangenen Wochen schüttete es schließlich immer mal wieder wie aus Kübeln – Schirm statt Sonnenbrille war angesagt. Gleich am 1. Juni brachen in Herford alle Dämme. Heinrich Wulff: »Da kamen bei einem schweren Gewitter mit Starkregen 27 Millimeter pro Quadratmeter herunter. Und das in einer Viertelstunde.«

Ohnehin ist 2016 bislang viel zu feucht. Insgesamt fielen 496 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des vergangenen Jahres waren es gerade einmal 331 Millimeter.

Immer Ausreißer nach oben und unten

Grund zur Sorge machen diese Zahlen aber nicht, findet Heinrich Wulff. In all der Zeit, in denen sich der Hobby-Meteorologe schon mit den Phänomenen des Himmels beschäftigt, habe es immer wieder Ausreißer nach oben und unten sowie starke Schwankungen gegeben. »Wir haben sogar noch Glück, dass der Teutoburger Wald direkt vor unserer Nase liegt. Dort werden viele Regengebiete aus Südwest abgefangen«, sagt der Ehrenvorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes und Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Zwei Regenmesser im Garten

Dreimal täglich notiert er die relevanten Wetterwerte – morgens, mittags, abends. In seinem Garten am Ortsieker Weg stehen zwei Regenmesser. Kaum zu glauben: Seit mehr als einem Jahrhundert fehlt nicht ein einziger Wert. Und will Heinrich Wulff doch einmal in den Urlaub fahren, ist das kein Problem. Dann übernimmt sein Bruder Herbert den Job. Der wohnt idealerweise nebenan.

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