Einige Herforder Einzelhändler haben EU-Richtlinie schon umgesetzt Wird Plastiktüte ein Auslaufmodell?

Herford (WB). Plastiktüte? 20 Cent! Einzelhändler sind seit Freitag dazu aufgefordert, für Tragetaschen aus Plastik Geld zu nehmen und damit einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Von Christina Ueckermann
Papiertüten gibt es bei Klingenthal weiterhin kostenlos. Verkäuferin Seydi Celik (links) überreicht den Einkauf an Magdalene Pisarski.
Papiertüten gibt es bei Klingenthal weiterhin kostenlos. Verkäuferin Seydi Celik (links) überreicht den Einkauf an Magdalene Pisarski. Foto: Moritz Winde

»Nein danke, ich brauche keine Tüte«, steht seit Freitag auf einem Schild in der Mönch-Apotheke. Wie auch bei Klingenthal müssen Kunden hier seit dem 1. April 20 Cent zahlen, wenn sie ihre Ware in einer Plastiktüte transportieren möchten. Papiertaschen gibt es weiterhin kostenlos.

Anders als von vielen Einzelhändlern erwartet, nehmen Kunden diese Änderung ohne zu murren hin. Vielleicht hat sich der eine oder andere schon daran gewöhnt, denn einige Drogeriemarktketten haben ihre kostenlosen Plastiktüten bereits vor Monaten aus den Läden verbannt. Grundlage ist eine angestrebte Selbstverpflichtung zwischen dem Umweltministerium und dem Handelsverband Deutschland mit dem Ziel, den Verbrauch von Plastiktüten bis 2025 auf 40 Tüten pro Kopf und Jahr zu reduzieren (aktuell sind es im Schnitt 71).

»Wir beobachten schon länger, dass Kunden eigene Taschen mitbringen. Unser Verbrauch hat sich schon seit Ende letzten Jahres deutlich verringert«, erzählt Nicolas Tscheche vom gleichnamigen Schuhhaus. Er überlegt, künftig auch Geld für Plastiktüten zu nehmen und dieses an Herforder Einrichtungen zu spenden. Auch bei Expert Döring und H&M sollen Plastiktüten ab kommender Woche Geld kosten.

Buchhändler Wolf-Dieter Otto hat Umweltwissenschaft und Naturschutz studiert und sich genau mit dem Thema auseinandergesetzt. »Ich glaube, das sich die Menge an Tüten nicht wirklich verringern wird, wenn sie kostenpflichtig sind«, sagt er. Papiertüten seien keine Alternative zu Plastikmodellen, »deren Umweltbilanz ist nicht besser«, erklärt er. Sein Plan ist es deshalb, mehr Leinenbeutel auszugeben. »Die sind allerdings recht teuer«, sagt der Buchhändler. Durch den Verkauf von Plastiktüten könnte man Leinenbeutel subventionieren, schlägt er vor.

Einen Leinenbeutel hat auch Natalia Schönberg beim Bummel immer im Gepäck. »Einwegtüten versuche ich zu vermeiden«, sagt die Herforderin. Magdalene Pisarski hingegen greift gerne zur Plastiktüte. »Ich unterstütze es, dass der Verbrauch eingedämmt werden soll. Allerdings benutze ich jede Tüte mehrfach – zum Beispiel für Müll«, sagt sie.

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