Brax-Chef mahnt zu seinem Abschied: Deutsche geben weniger für Mode aus als im Jahr 2000 Wolfgang Drewalowski: »Einkauf muss wieder Spaß machen«

Herford (WB). Von den Kunden hat sich Wolfgang Drewalowski (67) zum größten Teil schon verabschiedet. Der letzte Tag ist der 18. Dezember – Datum der Weihnachtsfeier und des Abschieds von 800 Brax-Mitarbeitern. Dann macht Drewalowski  die Ankündigung wahr, Ende 2015 nach mehr als 30 Jahren an der Spitze des Herforder Bekleidungsherstellers  in den Ruhestand zu treten. Mit ihm sprach Bernhard Hertlein.

Rückblick und Ausblick: Der scheidende geschäftsführende Gesellschafter von Brax im Interview.
Rückblick und Ausblick: Der scheidende geschäftsführende Gesellschafter von Brax im Interview. Foto: Oliver Schwabe

Viele in der Branche können sich Brax ohne Wolfgang und Gina Drewalowski nicht vorstellen. Können Sie sich ein Leben ohne Brax vorstellen?
Wolfgang Drewalowski: »Die Entscheidung ist schon vor vier Jahren gefallen. Vor zwei Jahren habe ich sie bekanntgemacht. ­Fehlen werden mir und meiner Frau vor allem die Menschen, mit denen wir bei Brax zusammengearbeitet haben. Das tut wirklich weh. Im Übrigen werde ich viele Dinge tun, für die bisher die Zeit gefehlt hat.«

Und nichts mehr arbeiten?
Drewalowski: »Nur noch durchschnittlich zehn Stunden in der Woche. Da sind ein paar Beiratsmandate und Ähnliches. Eventuell Unterstützung für ein Start-up in Süddeutschland in der Modebranche. Alles sehr relaxed.«

Der Modehandel stagniert seit einigen Jahren. Die Aktien von Bekleidungsherstellern sind in diesem Jahr abgerutscht. Was ist los mit der Branche?
Drewalowski: »Ihre Frage ist berechtigt. Im Jahr 2000 haben die Menschen in Deutschland durchschnittlich 3,8 Prozent ihres Nettoeinkommens für Mode ausgegeben. Heute sind es nur noch 1,8 Prozent. Daraus folgt, dass in unserer Branche einiges schief gegangen ist. 50 Prozent der Verbraucher sind mit der Bedienung im Bekleidungsfachhandel unzufrieden. Unser Kunde muss wieder Spaß am Einkaufen haben. Das hat er heute meistens nicht. Wir konkurrieren mit vielen anderen Freizeitangeboten. Durchschnittlich verbringt der Mensch täglich dreieinhalb Stunden im Internet, fast zwei Stunden mit dem Handy und weitere zwei Stunden vor dem Fernseher – da bleibt nicht mehr viel Zeit zum Einkaufen.«

Das ganze Interview lesen Sie am Freitag im WESTFALEN-BLATT.

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