Im Herforder Marta wird am Freitag eine Ausstellung des Amerikaners Mark Dion eröffnet Zurück zur Natur

Herford (WB). Einst galt der Wolf als Raubtier, das bekämpft werden musste. Mittlerweile darf er wieder heimisch werden.  Mit dem sich wandelnden Verhältnis des Menschen zur Natur beschäftigt sich die neue  Ausstellung im Herforder Museum Marta

Von Hartmut Horstmann
Auf Augenhöhe: Die Marta-Mitarbeiterin Simona Herzig begegnet einem ausgestopften Wolf.
Auf Augenhöhe: Die Marta-Mitarbeiterin Simona Herzig begegnet einem ausgestopften Wolf. Foto: Moritz Winde

Hochsitze, ausgestopfte Tiere, eine  Vogelvoliere: Der amerikanische Künstler Mark Dion hat das  Marta in eine Art  Naturlandschaft mit     kritischen  Störfaktoren  verwandelt. »Widerspenstige Wildnis« heißt seine Ausstellung, die am Freitag eröffnet wird. Es gehe nicht so sehr um die Natur, erläutert der in New York lebende Künstler und Sammler, sondern um die menschliche Vorstellung v o n Natur.

Was  bedeutet: Wenn Mark Dion einen ausgestopften Wolf auf einem Anhänger postiert, dann drückt er damit auch  aus, wie die Schraube der Naturbeherrschung weitergedreht wird. In dem Augenblick, in dem der Wolf nicht mehr als bedrohlich empfunden wird,  bringt ihn der Mensch zurück  in eine  vermeintliche   Wildnis,  die in Wirklichkeit domestiziert ist.

Bibliothek in Hochsitz

Zu dieser Kontrolle tragen auch die Jäger bei, an die  zwei Hochsitze in der Ausstellung erinnern. In dem einen Sitz ist eine kleine Bi­bliothek eingerichtet: für den Jäger, der sich Gedanken macht.

Eine weitere Nuance erhält der Dionsche Naturbetrachtungskosmos  durch eine Vogelvoliere, die mit Zustimmung des Aufsichtspersonals betreten werden darf. »Hier sollten Sie sich Zeit nehmen«, sagt der 54-jährige Vogelliebhaber.  Die Vögel hätten keine Angst, sie seien mit Menschen vertraut. Die Tiere leben tatsächlich, sie  werden  Teil der vom Menschen auch in einem Museum zugelassenen Natur.
Einen Raum weiter wird es bitter.  An  einem Baum hängen   ausgestopfte Vögel, die mit Teer überzogen sind – ein  Sinnbild  der   Umweltzerstörung,  wie sie   von Ölkatastrophen hervorgerufen wird.

Verschiedene Themenbereiche

Offenbar gelingt die  fehlerfreie  Beherrschung der Natur nicht. Und nicht nur das: Die Natur besitzt sogar die Frechheit zurückzuschlagen. Das drückt sich  in einer Installation voller Zivilisationsmüll aus, in der sich in der realen  Welt  Ratten ausbreiten  würden. Und diese Tiere  werden nicht als Wellness-Natur, sondern weiterhin als Plage empfunden.

Das Marta-Team hat die Ausstellung in verschiedene Themenbereiche unterteilt. Es handelt sich um die bisher größte Einzelschau Mark Dions in Deutschland. Eine Schau, die wirklich zum Schauen einlädt, zum Wundern und zum Nachdenken. Gewissermaßen ein Gang durch die Geschichte der Zivilisation. Mehr als 7000 gefundene und gesammelte Dinge halten  Einzug im Marta. Im Februar beispielsweise  hat der Künstler  die Nordseeküste auf der Suche nach interessantem Treibgut abgesucht.

Von seinem Naturverständnis her sei  Dion  eher  ein europäischer Künstler, sagt Marta-Direktor Roland Nachtigäller.  Der Einfluss ökologischen Denkens ist unverkennbar, gleichzeitig betrachtet der Amerikaner die Welt  mit einem Augenzwinkern. »Er lässt die Dinge offen«, urteilt Nachtigäller. Für die mit Teer überzogenen Vögel allerdings gilt diese Einschätzung  nicht. Hier geht es um Eindeutigkeit, um  Anklage: das Zeigen einer vom Menschen zu verantwortenden Welt, wie sie nicht sein sollte.

Die Ausstellung »Widerspenstige Wildnis« wird heute Abend um 19.30 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 7. Februar zu sehen.

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