Jenisa-Prozess: Herforder soll 2006 versucht haben, Kind in Porta Westfalica zu töten Mithäftling belastet Ibrahim B.

Hannover/Porta Westfalica (WB). Hat Ibrahim B. bereits 2006 versucht, ein Kind zu töten? Ein Mithäftling hat den Herforder Angeklagten schwer belastet.

Von Thomas Nagel
Der Angeklagte Ibrahim B. aus Herford auf der Anklagebank.
Der Angeklagte Ibrahim B. aus Herford auf der Anklagebank. Foto: dpa

Mit geschlossenen Augen verfolgt Ibrahim B. (44) den Mordprozess. Nur manchmal mahlen seine Kieferknochen. Der Mörder von Dano (5) aus Herford und mutmaßliche Mörder von Jenisa (8) aus Hannover soll bereits vor neun Jahren den Tod eines Kindes geplant haben. Der ehemalige Mithäftling Muhammet K. (35) sagte gestern im Landgericht Hannover aus: »Er wollte den Sohn seines Schwiegervaters mit dem Messer erstechen.« Dazu habe er den 14 Jahre alten Jungen auf einen Sportplatz in der Nähe der Porta Westfalica geführt. »Nur zufällig vorbeikommende Spaziergänger verhinderten den Mord an dem Jungen.« Motiv sei der Hass auf die Familie seiner Frau Ribana (29), Jenisas Tante, gewesen. Das Kind aus Hannover wurde am 7. September 2007 bei Wunstorf ermordet. Erst sieben Jahre später wurden ihre sterblichen Überreste in einem Wald bei Wunstorf gefunden.

Zwei Häftlinge sollen B. dazu gebracht haben, den Ort der Leiche preiszugeben. »Wir haben eine Scheinfreundschaft geschlossen«, sagte Muhammet K. Er und Mithäftling Manfred H. (50) machten, wie berichtet, B. vor, dass sie in der Organhandel-Mafia tätig seien. Wenn er für sie Organe schmuggle, könnten sie Beweise im Fall Dano vernichten lassen. Wegen dieses Verbrechens wurde B. 2014 vom Landgericht Bielefeld zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Täuschungsmanöver der Häftlinge war erfolgreich. Der Angeklagte verriet Einzelheiten zum sexuellen Missbrauch Jenisas, ihrer Ermordung und den Tatort. »Er hatte Hass auf seinen Schwager, dafür musste Jenisa büßen«, sagte K.

Mutter kollabiert am Prozesstag

Die Mutter von Jenisa, Like M. (38), machte gestern bei ihrer Aussage einen gefassten Eindruck. Zuvor hatte Richter Wolfgang Rosenbusch Ibrahim B. in einen Nebenraum bringen lassen. Like M. war am ersten Prozesstag beim Anblick des Angeklagten kollabiert. Jenisas Vater, Juliano M. (42), hatte eine halbvolle Wasserflasche nach dem Angeklagten geworfen. »Ich habe keine Erklärung für den Mord an Jenisa«, sagte sie. Sie habe Ibrahim und Ribana geholfen, es habe zwischen dem türkischen Angeklagten und der albanischen Familie keine Spannung gegeben.

Schon früh habe sie aber den Verdacht gehabt, dass »Ibo« etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun gehabt habe. Nach der Suche des Kindes habe der Angeklagte bei ihnen gesessen und am ganzen Körper gezittert. »Das war so auffällig. Wir haben uns gefragt: Hat er etwas damit zu tun?« Später habe ihr ein Kriminalbeamter gesagt: »›Ibo‹ muss es sein, aber wir haben keine Beweise.« Der Prozess wird fortgesetzt.

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